Charlotte Ritter aus Babylon Berlin
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Mutter: Guck mal, ein schönes Bild von Charlotte Ritter: Babylon Berlin geht weiter.

Tochter: Ich finde es blöd, dass sie die Figur so deformiert haben. Im Buch heißt sie Charly und ist dabei, Polizistin zu werden. Sie ist emanzipiert und trägt Hosen. Im Film ist sie eine Nutte, die kein Geld hat, dafür aber einen Aushilfsjob bei der Polizei. Sie ist in keinster Weise gebildet.

Ich finde sie gerade stark, weil sie sich rauskämpft aus ihrer prekären Situation. Sie will unbedingt Polizistin werden und kriegt das irgendwie hin, trotz aller Widrigkeiten.

Aber erstmal sieht man Gerion, den Mann, gebildet, Polizist, aus gutem Haus. Die Frau ist die hilfsbedürftige, arme Prostituierte, die sich nicht zu helfen weiß. Wie im Märchen: die Putzfrau und der Prinz.

Das ärgert dich.

Ja, das ärgert mich. Das Buch ist eine tolle Vorlage für eine Figur, und wenn sie das Buch schon benutzen, können sie doch die Figuren auch so lassen, wie sie sind. Ich finde generell, dass Filme Frauen klischeehaft darstellen. In den Superheldenfilmen kommt auf vier Männer eine Frau, die hat dann ein enges Oberteil an, das nur kurz über die Brüste reicht und Shorts.

Die Kinos sind voll mit Mädchen, die sich das angucken. Du gehst doch auch in diese Filme.

Na klar, ich guck mir diese Filme an. Ich will ja auch im Kino gar nicht Emanzipation vertreten, sondern zwei Stunden abtauchen. Aber es ärgert mich, wenn beim Cast fünf Männer aufgeführt sind, dann eine Frau und wieder zehn Männer.

Ärgert mich auch. Ich finde es total reaktionär und auch schädlich.

In Filmen sind die Frauen auch immer jung und schön. Frauen, älter als 40, sieht man überhaupt nicht. Männer schon, sogar über 70.

In deinen Serien sind alle jung.

Diese Serien sind auch nur für junge Leute. Bei den Filmen im Kino verstehe ich nicht, warum man nicht genauso viele Superheldinnen schafft, wie Superhelden. Die Männer reden auch viel mehr. Die Frauen dürfen nur drei coole Sätze sagen. Im Grunde sehen sie nur schön aus.

Die gesamte Industrie für Kinder und Jugendliche ist so, bis hin zu rosa Legosteinen.

Sogar bei Büchern. Bei den „Drei Fragezeichen“ lösen drei Jungs Kriminalfälle, bei den „Drei Ausrufezeichen“ suchen drei Mädchen die verschwundene Sonnenbrille des Popstars. Das ist so bescheuert. Man kann doch keine Barbie als Vorbild haben. Mädchen, die sich nur für Jungs interessieren: Das ist nicht cool, sondern rückschrittlich.

In den 70er Jahren war es genau umgekehrt. Man wurde mit Mädchenvorbildern zugeschüttet, Mädchen konnten damals alles. Heute ist es echt schwer, dieses Mädchenspielzeug zu vermeiden. Du wolltest lieber rosa Pferdchen als Ritter als du klein warst. Ich habe versucht, die Pferdchen zu boykottieren.

Das ist für das Kind natürlich eine Strafe. Jetzt bin ich aber älter und kann darüber nachdenken, welchen Film ich sehe. Dann nehme ich in Kauf, dass ich mich dreimal ärgere.

Du glaubst nicht, dass dich diese klischeehaften Rollenbilder prägen?

Nee. Wenn ich einen Film sehe, bei dem Frauen unterrepräsentiert sind, denke ich, das ist doch scheiße, und will dagegen was tun. Ich sehe das als Negativ-Beispiel. Sobald man ein gesellschaftliches Bewusstsein hat, denkt man darüber nach und will das verändern.