Der Schnee holt ja das Beste aus einem heraus. Nicht nur draußen in der Welt sind die Schritte gedämpft. Auch das innere Marschtempo verlangsamt sich, und man wird milder. Was auch an den Kindheitsbildern liegen mag, die beim Anblick von verschneiten Dächern und Holzschlitten wach werden. Keine Bilder der eigenen Kindheit unbedingt. Sondern Kindheitsbilder aus Büchern, in denen alte Damen mit magischen Uhren auf dem Kaminsims die Zeit zurückdrehen können. Oder aus Wimmelbildern, auf denen Kinder mit bunten Wollmützen Schlittschuh fahren.

Tatsächlich beginnt so gestimmt auch der eigene Kiez zu wimmeln. Überall scheint etwas los zu sein, selbst wenn sich schon lange nichts mehr bewegt hat. Der Eckladen, aus dem die Fahrradwerkstatt vor zwei Jahren verdrängt wurde, ist noch immer nicht vermietet, sondern dient als Kistenlager, aber jetzt hat jemand im Schaufenster einen Rinderschädel angebracht. Oder hängt der da schon länger? Vor dem Haus gegenüber hat sich eine Schlange gebildet, die Menschen haben Geschenke und Blumen in der Hand, alle paar Minuten kommt einer raus und ein anderer tritt ein. 

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