Ich teile nicht mehr sehr oft Dinge auf Facebook, außer wirklich einschneidende Lebensereignisse, wie zum Beispiel, als mein Hund kürzlich wegen einer stressbedingten Schuppenflechte so einen lustigen Trichter tragen musste und deshalb ständig gegen irgendwelche Dinge gelaufen ist und dann immer sehr traurig und verständnislos, aber eben auch sehr niedlich geschaut hat.

Als ich dann kürzlich von Hamburg nach Amsterdam gezogen bin, fand ich, dass das nun ein ähnlich wichtiger Anlass sei, meinen besten 667 Freunden mal wieder ein Lebenszeichen von mir zu geben und poste ein Bild von mir vor dem Hamburger Puff, über dem ich wohnte. Ich ernte viele Herz-Emojis und ein paar staunende Wow-Emojis. Eine Freundin kommentiert „Wie eine Feder im Wind“ und kurz denke ich, ihr sei vielleicht aufgefallen, dass ich über den Sommer drei Kilo abgenommen habe.

Wahrscheinlicher ist aber, dass sie mir halb pathetisch, halb poetisch unterstellt, dass ich meinen Wohnort doch häufiger wechsle als die meisten. Im Grunde liegt sie damit nicht falsch: ich bin in meinem Leben zweiundzwanzig Mal umgezogen und habe in zehn verschiedenen Städten gewohnt, wenn man jede Wohnung und jedes WG-Zimmer mitzählt, wo ich mindestens einen Monat Miete gezahlt habe. 

Absoluter Unsinn ist es jedoch, anzunehmen, dass diese Umzüge wie Federn im Wind vonstatten gegangen wären. Denn irgendwie habe ich es in meinem 32 Jahre dauernden Leben trotzdem geschafft, solche Unmengen an Krempel anzusammeln, dass ich vor jedem Umzug kurz in Erwägung ziehe, all meine Habseligkeiten in Benzin zu ertränken und ein entzündetes Streichholz drauf zu werfen, während ich mit meinem Hund unterm Arm die brennende Szenerie verlasse.

Viel Krempel fügt meinem Leben keinen Wert hinzu 

Dann fällt mir aber ein, dass an den Sammeltassen, die ich von meiner Oma geerbt habe, ja auch Erinnerungen hängen oder meine alten Tagebücher sicherlich mal zukünftigen Historikern, die sich mit der Epoche zwischen 1999 und 2013 beschäftigen, als Zeitdokument sehr nützlich sein werden. 

Während ich dann also doch nicht meine Wohnung abfackele und stattdessen brav meine Dinge in Umzugskartons verstaue, erinnere ich mich an Marie Kondo, japanischer Aufräumguru, die Komsumromantikern wie mir nahelegt, jeden Gegenstand kurz in beide Hände zu nehmen, die Augen zu schließen und sich zu fragen, „Does it spark joy?“, ob er also Freude versprüht.

Ich mache also drei Stapel: viele Bücher und Bilder auf dem ersten Stapel versprühen zwar irgendwie Freude, sind aber so schwer, dass ich sie doch lieber in Deutschland einlagere, als sie irgendwelche steilen Amsterdammer Treppen hinaufzuschleppen. Die Aussicht, auch in Amsterdam nicht nackt herumlaufen zu müssen, sparkt bei mir so viel Joy, dass ich sämtliche Kleidung in einer anderen Ecke meiner Wohnung versammle.

Ziemlich viele meiner Habseligkeiten lassen mich aber überraschenderweise gar nichts fühlen und erleichtert stelle ich fest, dass ich somit keine tiefere emotionale Bindung zu Kuchenformen und Gießkannen aufgebaut habe. Sie fügen meinem Leben keinen Wert hinzu und werden somit entfernt. Befreiend fühlt sich das an – nun überlege ich, ob ich mich mit der Marie-Kondo-Methode nicht auch mal einiger Facebook-Freunde entledigen sollte.