Berlin - In den meisten Berliner Wohnungen, in denen ich bisher gewesen bin, gibt es, unabhängig von der Höhe des Einkommens der Bewohner, mindestens ein Objekt aus vergangenen Zeiten, das von Generation zu Generation weitergereicht wird. Manchmal ist es ein alter Schrank, der ein kleines bisschen zu mächtig ist und deshalb auffällt zwischen den sonst modernen Möbeln. Manchmal ist es auch ein silberner Kerzenständer oder ein goldenes Medaillon aus einer vergangenen Zeit, die jemand wie ich nur durch historische Fotografien oder durch Kunstwerke aus Museen kennt.

Für die meisten von uns, die dort leben, wo sie keine Familiengeschichte haben, sind die einzigen nachvollziehbaren Abstammungsspuren in Gesichtern zu finden – Gesichtern auf Fotos, die kaum mehr als zwei Generationen zurückgehen. In dem Fall, dass unsere Vorfahren aus armen Ländern kommen, ist es wahrscheinlich, dass wir kein Schwarz-Weiß-Foto haben, das eine ernst schauende Urgroßmutter in einem hochgeschnürten Kleid neben ihrem ernst schauendem Mann zeigt, aus dessen Anzughose eine Taschenuhr baumelt. Eine Taschenuhr, die hundert Jahre später sein Urenkel erben wird. Ich halte immer den Atem an, wenn ich solche Erbstücke sehe und erkundige mich nach ihrer Herkunft.

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