Bald ist Weihnachten. Für 60 Prozent in diesem Land ist das laut Meldezettel ein Fest: für alle, die sich eine Kirchenmitgliedschaft gönnen. Fragen wir lieber nicht, wie viele davon genau wissen, was in den Heiligen Tagen überhaupt gefeiert wird. Vielleicht muss man nicht wissen, warum man feiert, wenn das Fest nur schön ist. Die anderen 40 Prozent feiern zumeist auch irgendwas, und wir wünschen natürlich allseits schöne Tage.

Man muss es genießen, denn lange wird es nicht mehr dauern, bis Weihnachten abgeschafft ist, erstens, weil freie Tage das Land viel kosten, zweitens, weil dieser Gesellschaft immer weniger begreiflich zu machen sein wird, warum sie ein christliches Fest feiern sollte, wenn sie nicht christlich ist, und drittens, weil Weihnachten zu laut ist.

Zu unserer Erlösung

Wahrscheinlich ist Weihnachten gerade deshalb ein derart lautes Fest, weil immer weniger begreiflich ist, was gefeiert wird (der Menschensohn kam zu unserer Erlösung auf die Erde herab!). Das sollten wir ernst nehmen, wenn uns an Weihnachten liegt. Deshalb hier ein dringend notwendiger Vorschlag: Von Heiligabend 18 Uhr bis zum zweiten Weihnachtstag 24 Uhr wird die Nutzung sämtlicher öffentlichen Musikbeschallungsanlagen, privater Radio-, Fernseh- und Netzlärmmaschinen verboten und jede Zuwiderhandlung streng geahndet. Ein Mal im Jahr sei Ruhe, wirkliche, umfassende Ruhe. Ich glaube, das brauchen wir. Besinnlich muss das Fest nicht sein, aber ruhig bitte.

Lärm macht dick

Das hat Folgen. Der öffentliche Verkehr hat selbstredend zu ruhen und die Nutzung von Automobilen zu unterbleiben, was wunderbarerweise wiederum bewirkt, dass auch die meisten Familien-, Freunde- und sonstige Besuchstermine entfallen, die es ohnehin nur gibt, weil es die Pflicht verlangt. Sie sollten vor allem deshalb entfallen, weil sie die Ruhe stören. Verboten gehört natürlich auch laut raschelndes Geschenkpapier, was den enormen Vorteil hat, dass die Schenkerei aufhört. Alle werden erleichtert sein. Niemand muss Freude vorspielen über Geschenke, die keine Freude bereiten, niemand müsste herumhetzen oder wild durchs Internet klicken, um Geschenke zu beschaffen, die keiner braucht. Wie viel ruhiger wäre auch die Vorweihnachtszeit.

Der neueren Lärmforschung ist zu entnehmen: Lärm macht aggressiv und dick, verändert das Schlafverhalten, deformiert die Psyche und beeinträchtigt nicht nur das Hören, sondern auch Sehen und Fühlen. Wenn es so weitergeht, wird Weihnachten abgeschafft werden müssen, weil wir Menschen es nicht mehr ertragen. Alle Weihnachtsfreunde seien darum aufgerufen, das Lärm-Verbot zu unterstützen.

Vielen Dank, und bitte nicht schreien.