John Wayne, 1967 in dem Film El Dorado.
Foto: imago images/Everett Collection

BerlinAls ich am Montag las, dass der Flughafen im kalifornischen Santa Ana nicht länger nach John Wayne benannt sein soll, weil diesem rassistische Zitate zugeschrieben werden, musste ich schmunzeln. Nichts schien klarer als die Tatsache, dass es sich bei dem amerikanischen Westerndarsteller um einen schlimmen Reaktionär handelt. So wuchsen wir mit ihm und seinen Filmen auf, die, im Fernsehen ausgestrahlt, ja bereits altes Kino waren. John Waynes Mimik war für uns Heranwachsende bald eine Karikatur schwerer Gestik und kurzer Sätze. Der Westerner als Tragiker – in John Wayne hatte er ein bleibendes, geradezu eingefrorenes Gesicht erhalten.

Ich habe im Buch eines Kollegen nachgeschaut, dem ich in vielen Fragen blind vertraut habe. „Ich & John Wayne" heißt die Liebeserklärung des früheren Merkur-Herausgebers Kurt Scheel an das Kino. Allerdings geht es darin nur am Rande um John Wayne, Scheel hat sich vielmehr den emblematischen Namen des Westerners für seine Kolumnensammlung ausgeliehen. „,Der Mann der Liberty Valance erschoss‘“, schreibt Scheel, „ist der radikalste Western der klassischen Ära. Es ist der Abgesang John Fords auf das Genre, ,the Western, to end all westerns‘. Und, nicht zuletzt, bringt er die beiden großen Stars zusammen, die den Western geprägt haben, John Wayne und James Stewart.“ Für Scheel, der alle, wirklich alle Western kannte - er war in Altenwerder an der Elbe buchstäblich im Kino (seiner Eltern) aufgewachsen - gab es nur diese beiden. „Helden sind unsterblich", schreibt Scheel, „und der unsterblichste Held des Kinos ist John Wayne - wenn Liberty Valance beginnt, ist John Wayne tot; und nicht einmal eine heroische Leiche, sondern wir müssen uns ihn als eine Art toten Penner vorstellen, er liegt in einem Billigsarg, ohne die Insignien der Westerner, ohne Stiefel, Sporen, ohne seinen Revolver.“

Zur Begründung, dass der Flughafen von Santa Ana nicht länger Waynes Namen tragen soll, wird ein Interview herangezogen, in dem er sagt, dass er an die Überlegenheit der Weißen glaube, „bis die Schwarzen bis zu einem Punkt der Verantwortlichkeit erzogen sind“. Das Interview war zuletzt 2019 wieder aufgetaucht. Nach allem, was man über John Wayne weiß, war das kein verbaler Ausrutscher. Kurt Scheel, der 2018 gestorben ist, hätte sich vor allem darüber lustig gemacht, dass man einen Flughafen nach ihm benannt hat. Für ihn war er der Inbegriff des Westerners, der die Welt, in der es Flughäfen gibt, längst verlassen hatte.