Berlin - Die Deutsche Oper hat die neue Saison mit Mark-Anthony Turnages Oedipus-Modernisierung „Greek“ eröffnet, die Komische Oper wählt für denselben Zweck den gleichen Stoff in der gut 50 Jahre früheren Version von George Enescu. „Œdipe“ war das ambitionierteste Werk des in Rumänien geborenen und in Wien und Paris ausgebildeten Enescu, er beschäftigte sich ein Vierteljahrhundert lang mit dieser seiner einzigen Oper. Ausgehend von den beiden Ödipus-Dramen des Sophokles fasste er schließlich den Entschluss, das gesamte Leben des tragischen Helden von der Geburt bis zum Exil auf Kolonos darzustellen, das bei Sophokles nur nacherzählt wird. Den Gedanken, den Stoff auf zwei Abende zu verteilen, verwarf Enescu wieder und schuf unter der 1936 schon nicht mehr sonderlich tragfähigen Gattungsbezeichnung „Tragédie lyrique“ eine vieraktige Oper von schlanken zweieinhalb Stunden.

In der Komischen Oper streicht der Regisseur Evgeny Titov das Stück auf zwei pausenlose Stunden zusammen. Dadurch wird das gesamte Umfeld des Ödipus weitgehend eingedampft. Vater Lajos hat nur wenige Sätze zu singen, auch Kreon, erst Onkel, dann Schwager, schrumpft zu einer unbedeutenden Nebenrolle. Schließlich wirkt auch die Musik eigentümlich fragmentarisch, hier und da abgebrochen und unvermittelt.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.