Berlin - „Zweieinhalb Stunden vollkommene Blödheit“ hatte Barrie Kosky vor der Premiere der „Großherzogin von Gerolstein“ am Sonnabendabend in der Komischen Oper angekündigt und nicht zu viel versprochen. Als gelte es, Operette auf Vorrat zu liefern, brettern Regisseur und Darsteller hemmungslos durch Offenbachs satirisches Stück. Wobei Kosky auch die Pausen nicht vergisst, die vor dem Eindruck einer sich verselbstständigenden Albernheits-Maschinerie bewahren. Dann ist minutenlang nichts zu hören als vögleinartiges Sürpfeln am Champagnerglas, im Chor vorgetragen von den sieben Darstellern und vier Tänzern dieser Produktion.

Oder die Großherzogin, hier mit Tom Erik Lie besetzt, hält gleichsam erstarrend mitten im Wort inne. Den Lockdown als Stillstand hat Kosky damit als ständige Drohung mit eingebaut. Dass dieser im realen Leben gleich nach der Premiere zurückkehren würde und sie auch zur vorläufigen Dernière machen würde, wird sich Kosky kaum gedacht haben, als er die „Großherzogin“ als große „Scheiß-auf-Corona-Inszenierung“ plante. Gemeint war das im Sinne einer Spaß-Offensive gegen den Ernst der Zeit. Denn natürlich sitzt im Orchestergraben nur ein ausgedünntes Ensemble, das den vorgeschriebenen Abstand halten kann.

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