Berlin - Es ist völlig in Ordnung, den „Freischütz“ unter Rednecks spielen zu lassen. Wer kann sich noch etwas unter einer Jagdgesellschaft vorstellen? Aber eine Rotte waffengeiler, frauenverachtender, biertrinkender, christlich-patriotischer Hinterwäldler in Steppwesten veranschaulicht die Welt, in der sich eine „Freischütz“-Geschichte heute abspielen könnte, in schlagender Weise. Soweit kann man Calixto Bieitos Inszenierung, die am Sonntag in der Komischen Oper vorgestellt wurde, folgen.

Es ist auch ein schöner Gedanke, in der Wolfsschlucht ein Brautpaar abzuschlachten und die erstochene Braut in die Mitte des magischen Kreises zu legen, um während der Geisterbeschwörung die Freikugeln aus ihrem Schoß zu holen. Was diese Wolfsschlucht-Szene in ihrer Zeit als Tabubruch bedeutet haben mag, lässt sich anhand dieser schockierenden Bilder im kahlen Herbstwald nacherleben. Die tote Braut erklärt zudem die Halluzinationen des jungen Jägers Max von seiner toten Mutter und seiner Braut Agathe beim Hinabsteigen in die Schlucht.

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