Okay, ich sage es frei heraus: Ich bin wütend. Erst vor wenigen Wochen war in den Zeitungen zu lesen, der große Softwarekonzern SAP wolle Hunderte von Autisten einstellen, um von deren besonderen Begabungen zu profitieren; Menschen mit dem sogenannten Asperger-Syndrom seien nämlich bestens geeignet für die Tätigkeit als Programmierer oder Softwaretester, weil sie hochkonzentriert über längere Zeiträume hinweg sehr detailgenau und fehlerfrei arbeiten können.

Doch in den Prenzlauer Berg Nachrichten vom Montag findet sich jetzt ein Bericht, dass soeben ein Antrag der Grünen in der Pankower Bezirksverordnetenversammlung abgelehnt wurde, wonach Menschen mit einer autistischen Störung verstärkt in der Verwaltung eingesetzt werden sollen. Ja, habt ihr sie denn noch alle!?

Der Antrag mit der Nummer 472 beruft sich auf die „beispielhaften Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Menschen im sogenannten Autismus-Spektrum“, über die „das Software-Unternehmen SAP sowie die Berliner Softwareberatung Auticon“ verfügten. Erwähnt wird zudem, dass sich „Inklusion und die Umsetzung der UN-Behinderten-Rechts-Konvention von 2006 nicht auf den Schul- und Ausbildungsbereich beschränken (dürfen).

Auch der erste Arbeitsmarkt muss sich allen Menschen gleichermaßen öffnen: Hierbei nimmt die öffentliche Verwaltung eine wichtige Vorbildfunktion ein.“ Was spricht nun dagegen? Laut der Linken und der SPD würden hier „Menschen mit anderen Behinderungen ausgegrenzt“ und nur eine Gruppe bevorzugt, wo es doch „um die Gleichstellung aller Behinderten“ gehen müsse.

Die Förderung der Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben stellt eine „positive Diskriminierung“ dar. Sie wird staatlich gefördert, etwa von der Bundesagentur für Arbeit und heißt dort „berufliche Rehabilitation“. In der Regel wird das als karitative, als eine die Defizite einer Personengruppe ausgleichende oder abbauende Maßnahme verstanden. Bei Menschen mit dem Asperger-Syndrom betrifft das vor allem deren Schwächen bei der sozialen Interaktion. Zugleich aber verfügen sie über herausragende kognitive Fähigkeiten, und genau die sollten nun in Pankow genutzt werden. Wenn da nicht der Vorbehalt gegen eine positive Diskriminierung innerhalb der positiven Diskriminierung wäre: Entweder alle Behinderte oder kein Behinderter. In der Folge wird sich nichts für die Behinderten tun.

Kann man sich in Pankow vielleicht nur nicht vorstellen, dass einige „Behinderte“ einfach etwas besser als wir „Normale“ können und in dieser Hinsicht unserer Mildtätigkeit nicht bedürfen? Das ist doch Blödsinn!