Er hat es getan, und aus den Worten von Sara Danius, der Vorsitzenden des Auswahlgremiums für die Vergabe des Literaturnobelpreises, spricht vor allem Erleichterung. Das Abenteuer Dylan neige sich für die schwedische Akademie nun allmählich dem Ende zu.

Ein paar Tage vor Ablauf der ihm gesetzten Frist hat Bob Dylan seine Nobelpreisrede eingereicht. Sie ist die obligatorische Gegenleistung für die Verleihung des Literaturnobelpreises, deren Zeremonie Dylan im vergangenen Dezember ferngeblieben war. Ein wochenlanges Rätselraten über die Motive dieses eher schwach begründeten Fernbleibens war die Folge.

Schlusspunkt mit Poesie

Es ist ein sehr poetischer Schluss geworden, mit Klavieruntermalung und einem kunstvoll, melodiös eingesprochen Text, in dem Bob Dylan ein Fenster zu seinen dichterischen Grundlagen öffnet. Ach was, es ist natürlich ein Klangkunstwerk geworden, 27 Minuten lang, und dem geneigten Hörer wird klar, warum es so und nicht anders präsentiert werden konnte.

Dylan spricht nicht, und er singt auch nicht. Eher folgt die Melodie seiner Worte folgt einem inhärenten Rhythmus, mit dem der Sinn des Gesprochenen glücklich korrespondiert.

Kompositionsgesetz

Es geht natürlich auch ein bisschen weniger weihevoll. Es muss gut klingen, sagt Dylan. Und das scheint seit jeher die Grundregel des ersten Dylan’schen Kompositionsgesetzes gewesen zu sein, das Dylan hier noch einmal in schnörkelloser Einfachheit, aber doch auch in der gebotenen Ausführlichkeit wiederholt.

Er benennt den Kosmos der Folksongs, von dem er sich früh angezogen fühlte und der ihm eine ganze Welt aus Typen, Idiomen und Sichtweisen offerierte. Eine einzige Begegnung mit legendären Rockstar Buddy Holly kurz vor dessen frühem Tod habe ihn für immer geprägt. Dylans Erinnerung an Buddy Holly steht in diesem Zusammenhang aber vor allem beispielhaft für die intuitive Berührung mit Sound und Sinn.

Gelesen hat er auch

Und natürlich war Dylan nicht nur von Folksongs umgeben, sondern auch von Literatur. An drei Werken der Weltliteratur führt er vor, wie er sie gelesen und was er sich aus ihnen genommen hat. Hermann Melvilles „Moby Dick“, Erich-Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“ und Homers „Odyssee“ beutet Dylan exemplarisch aus, er interpretiert sie auf seine Weise und hält doch insgesamt ein ausführliches Plädoyer gegen das Bedürfnis nach Interpretation. Nun gehet hin, klicket, höret und leset: 

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