"Ein Leser hat’s gut. Er kann sich seine Autoren aussuchen.“ Mit diesem leicht abgewandelten Tucholsky-Zitat war ein kleines Plakat beschrieben, das ein Mann auf der Frankfurter Buchmesse hochhielt. Eigentlich handelte es sich nur um einen Zeichenkarton im Format A3. Und was wollte er damit sagen? Ein Verlag kann sich seine Autoren ja auch aussuchen. Auf einem anderen Papier stand: „Ihr könnt nicht schreiben, ihr könnt nur hetzen“.

Das war wenigstens eine klare Ansage am rechtsgerichteten Antaios-Verlag, wo der AfD-Politiker Björn Höcke auftrat. Die Plakate sind auf Fotos zu sehen. Es gibt auch Bilder davon, wie sie ihren Trägern entrissen werden. Da ist das mit dem Wort „hetzen“ schon zerknüllt. Im neuen Jahr stehen solche Sätze dann vielleicht auf stabilerem Material. Denn für Proteste wird jetzt gesammelt.

Aufklärung über rechte Verlage

Es gab einigen Ärger um die Konflikte auf der Messe im Herbst, im Zentrum stand für die Einen die Frage, ob man Verlagen, die der Neuen Rechten nahestehen, dort eine Plattform geben darf. Die Anderen beschwerten sich, nicht ausreichend geschützt worden zu sein. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels als Organisator der Messe begründete die Zulassung rechter Verlage mit der Meinungsfreiheit, er forderte zur „aktiven Auseinandersetzung“ auf.

Die nimmt jetzt offenbar Formen an. Gerade setzte eine Initiative von Verlagen und Autoren eine Crowdfunding-Kampagne in Gang. Sie zielt auf die Leipziger Buchmesse im März: „Wir nehmen die Präsenz völkischer, nationalistischer und antifeministischer Verlage nicht wort- und tatenlos hin.“ Ausdrücklich erwähnt ist die Zeitschrift Compact, „als Sprachrohr von Pegida und insbesondere des rechten Flügels der AfD“. Nun wird also Geld gesammelt; verwendet werde es, um „Material“ zu produzieren, um über die Ideologie und Strukturen rechter Verlage aufzuklären. Also professioneller gestaltete Plakate, Anstecker, Lesezeichen? 

"Die Gedanken sind bunt"

Beispiele gibt es schon: „#verlagegegenrechts“ steht drauf. Eine schöne eindeutige Ansage. Doch diese kleinen Drucksachen mögen zwar Gleichgesinnte einen, zur Auseinandersetzung taugen sie kaum. Auf der Webseite Startnext, wo das Geld gesammelt wird, heißt es, dass damit in Leipzig auch eine Veranstaltungsreihe unter dem Motto „Die Gedanken sind bunt“ finanziert werden soll.

Das klingt interessanter. Mit Rechten zu reden bleibt auch 2018 ein Thema. Was nicht heißt, dass man sich alles bis zu Ende anhören oder durchlesen muss. Ein Leser kann sich seine Autoren aussuchen …