Nennen wir das mal eine gute Nachricht: Die allseits beliebte und knapp eine Milliarde Mitglieder zählende Internetplattform Facebook versteckt ihr gut eingeführtes Markenzeichen; die blau umrandete weiße Faust mit dem hochgestreckten Daumen verschwindet in die hinteren Ränge.

Welch Erleichterung, schließlich war dieses Symbol mit seinem spaßimperativischen und sozialzwanghaften Ich-finde-alles-toll-Optimismus auch nicht mehr zu ertragen: Im Jahre 2010 als Schaltfläche für die Bekundung „Gefällt mir“ eingeführt und seitdem auch auch „Like-Button“ genannt, entwickelte sich dieser Knopf in Ermangelung einer Alternative – etwa eines die Aufrichtigkeit in einem sozialen Netzwerk befördernden, da Missfallensbekundungen ermöglichenden „Dislike-Buttons“ – zu einem penetranten Lügenappell.

Soweit also die erste Erleichterung, nachdem Facebook jetzt angekündigt hat, auf das „Daumen hoch“ weitgehend zu verzichten. Die Bedeutung dieser Entscheidung mögen wir auch daran ermessen, dass am Eingang der neuen Konzernzentrale im kalifornischen Städtchen Menlo Park eben dieses Symbol überlebensgroß aufgestellt wurde.

Das war kurz bevor das Unternehmen den Plan veröffentlichte, an die Börse zu gehen und also noch mehr zu wachsen. Ein allzu optimistisches Vorhaben, wie sich alsbald herausstellen sollte: Kaum war die hoch dotierte Facebook-Aktie auf dem Markt, begann auch schon ihre rasante Talfahrt. Ja, da war es dann auch mit dem Gute-Laune-Daumen irgendwie vorbei. Als Lügensymbol jedenfalls mussten ihn die geprellten Kleinanleger verstehen und klagten eifrig auf Schadensersatz.

Facebook scheint aus all dem gelernt zu haben. Statt des aufreizend gereckten Daumens gibt es nun ganz schlicht ein weißes f vor blauem Hintergrund – das offizielle Firmenlogo. In einem Eintrag auf ihrem Entwickler-Blog teilt die Firma weiter mit, dass ab nächster Woche ein einheitliches Design für den „Gefällt mir“- und den „Teilen“-Knopf eingeführt wird; der altvertraute Daumen taucht nur noch in einer Sprechblase auf, in der die Anzahl der bisherigen „Gefällt mir“-Klicks steht.

Der penetrante Optimismus-Marker bleibt also weitestgehend verborgen, so als würde man sich seiner schämen: Ob Facebook jetzt darauf reagiert, dass der gestreckte Daumen in der Türkei und im Nahen Osten einen Phallus versinnbildlicht und auch in Australien und Westafrika einer Beleidigung gleichkommt?

Nein, so viel Kundenzugewandtheit trauen wir dem Konzern dann auch wieder nicht zu. Übrigens, ein „Dislike-Button“ gehört leider nicht zu den Neuerungen. Das Lügen geht also weiter.