Die Bürger dürfen sich über eine Steigerung des Bundeskulturetats um gut vier Prozent freuen. Staatsministerin Monika Grütters verfügt im nächsten Jahr über 1,41 Milliarden Euro: 150 Millionen Euro mehr als bislang. Die Filmförderung darf sich freuen; die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten soll ihren dramatischen Restaurierungsstau auflösen und so weiter. Auch dem Restaurant auf dem Dach des Berliner Schlossnachbaus können wir applaudieren und ebenso der Entgiftung von Objekten des Ethnologischen Museums, die ins Humboldt-Forum unterhalb dieses Restaurants einziehen sollen.

Beides sind zwar versteckte Baukostensteigerungen dieses Riesenprojekts, dienen aber auch der Nation und ihrer kulturellen Selbstvergewisserung. Ganz im Unterschied zum Etat-Posten Neptunbrunnen. Seit 1969 steht dieser Brunnen als ästhetisches Zentrum der weiträumigen Gartenanlagen zwischen Fernsehturm und Spree vor dem Roten Rathaus. Dennoch will der Bundestag nun seine Restaurierung und Rückverlagerung hin zum Schlossplatz mit zehn Millionen Euro finanzieren.

Der Bund greift damit massiv in die Planungshoheit des Landes Berlin ein. Weder Senat noch Abgeordnetenhaus haben nämlich bisher entschieden, wie sie mit dem Neptunbrunnen umgehen wollen. Sicher ist nur: Dieses neubarocke Kunstwerk ist kein nationales Symbol. Der einzige Grund für den Bund, die aktuelle Stadtverzierung zu fördern, liegt im Einfluss der Berliner Schloss- und Altstadtnachbaulobby bei Monika Grütters. Fördert der Bund etwa ähnliche Projekte in München oder Darmstadt?
Zehn Millionen Euro sind viel Geld.

Wenn der Bund der Stadt Berlin noch mehr Gutes tun will als bislang, könnte er den Etat für die Restaurierung und den Ausbau des Märkischen Museums verdoppeln. Dessen Sammlungen repräsentieren schließlich die Kulturgeschichte ganz Nordostdeutschlands und nicht nur die der Hauptstadt. Dringend müsste auch der skandalös niedrige Ankaufsetat der Berliner Staatsbibliothek aufgestockt werden.

Zudem klagen alle deutschen Museen, Bibliotheken und Archive darüber, dass ihre Sammlungen verrotten, weil viel zu wenig Geld für deren Erhalt vorhanden ist. Hier brächten zehn Millionen Euro wirklich Effekt. Den Neptunbrunnen mithilfe von Bundesgeld umzulagern, wäre indes blanke Verschwendung. Schon aus Selbstachtung sollten Senat und Abgeordnetenhaus darauf bestehen, dass das viele Geld einem sinnvollen Zweck zukommt.