Kommentar zu „John Carter“: Von wegen Disney-Flop

Als die Chefs von Disney vor kurzem entsetzt „Flop!“ kreischten, hat sich unsereins nur gewundert. Schließlich brummte das aktuelle Filmspektakel des Studios, „John Carter – Zwischen den Welten“, in Europa wochenlang auf den vorderen Plätzen der Kinohitparade, und verschwunden ist es von dort immer noch nicht.

In der US-amerikanischen Kommandozentrale von Disney war man jedoch aufs Äußerste alarmiert, weil die Zuschauerzahlen im Heimatland der Traumfabrik enttäuschten und der Film die Bilanz des Unterhaltungskonzerns mit rund 200 Millionen Dollar belastet. Die Filmstudio-Sparte von Disney werde wegen „John Carter“ im zweiten Geschäftsquartal einen operativen Verlust von 80 bis 120 Millionen Dollar verbuchen, so hieß es. O je, so viel Geld! Aber tut einem das leid? Keinesfalls, und dafür gibt es gute Gründe.

Zunächst einmal sagt das nichts über den Gesamtgewinn. Viele US-amerikanische Filmproduktionen spielen ihre nicht selten erheblichen Produktionskosten gar nicht im Entstehungsland wieder ein, sondern vielmehr in Europa, Asien, Australien und Teilen von Afrika – und meist kommt noch ein hübsches Sümmchen obendrauf.

Der gute alte Tunnelblick

Das braucht indes etwas Zeit, schon allein deshalb, weil so ein Hollywood-Film ja nicht zwangsläufig überall gleichzeitig in die Lichtspielhäuser kommt. Auch wenn der „global synchrone Kinostart“, wie es so schön im Fachsprech heißt, immer üblicher wird – allein schon um die hohen Werbekosten für das jeweils neue Kinospektakel zu senken und den bösen Filmpiraten den Spaß zu verderben.

Das ist also das eine. Aus dieser Perspektive wirken die Disney-Chefs, die auch gleich Köpfe rollen sehen wollten – etwa den des „John Carter“-Regisseurs Andrew Stanton – wie gewisse Vertreter der jüngeren Generation. Die müssen ihren Latte Macchiato ja auch immer sofort und überall im Pappbecher dabei haben: quasi als Symbol permanenter Bedürfnisbefriedigung an jedem Ort. Also ihrer Infantilität.

Es wäre nun gut, wenn die US-amerikanischen Major-Studios ihren Tunnelblick aufgeben und sich von alten Kalkulationsmodellen verabschieden könnten. Übrigens auch, was ihr einheimisches Publikum anbelangt. Dass in den USA die Zahlen der Kinobesucher bis 2016 weiter zurückgehen werden, haben jetzt nämlich ein paar Wall-Street-Analysten vorausgesagt.

Allein seit dem Jahr 2000 ist der Anteil der US-Amerikaner, die regelmäßig ins Kino gehen, von dreißig auf zehn Prozent gesunken: zu einseitiges Filmangebot, zu hohe Ticketpreise. Das ist in Europa nun wirklich anders – auch wenn die junge Generation hier wie in den USA mehr mit neuen Medien befasst ist.