Dass das Banksy-Bild „Mädchen mit Ballon“ nach seiner Versteigerung bei Sotheby’s für rund 1,2 Millionen Euro durch eine Vorrichtung im eigenen Rahmen zur Hälfte geschreddert wurde, gefällt mir. Schon die erschrockenen Gesichter, die auf einem Video zu sehen sind, das auf der Instagram-Seite von Banksy eingestellt ist, sind es wert. Manche Anwesende lachen allerdings auch. Und man muss sich natürlich fragen, wer das Schreddern im  Moment des fallenden Hammers in Gang gesetzt hat.

Banksy textet in diesem Video, dass er vor einigen Jahren ein Bild entsprechend präpariert hätte, dann sieht man jemanden einen haifischzahnartigen Riegel an einem Rahmen anbringen – und  Schnitt zu Sotheby’s.  Saß Banksy  da im Publikum und löste den Mechanismus aus?

Schön ist, wie  ein Künstler hier seinen Verfügungsanspruch gegen den Betrieb durchsetzt. Es kann einer seine Zeichnungen ja in einer Plastiktüte bei strömendem Regen zur Ausstellung bringen. Sobald er aber die Schwelle des Leihnehmers überschreitet, müssen Luftdruck und Lichtwerte stimmen und darf er sie nicht mehr ohne Handschuhe berühren. 

Augenblickliche Werterhöhung

Und schön ist, wie die Performance ohne Vorwurf mit dem Spekulationscharakter des Kunstmarktes spielt.  Denn selbstverständlich hat sich der Wert von „Mädchen mit Ballon“ augenblicklich erhöht. Die Überraschung, die Zerstörung, die Erstmaligkeit – das alles schlägt zu Buche und der anonyme Käufer ist viel besser bedient, als er dachte. Er muss sich jetzt beim Künstler bedanken, nicht der bei ihm für den Kauf.

Vom Mädchen mit dem herzförmigen Ballon ist jetzt nur noch der Ballon übrig. Der Rest hängt in Streifen. Doch die Reproduktionen des intakten wie des geschredderten Bildes werden keine Mühe machen, vielleicht hat der britische  Künstler beides schon vorbereitet, auch in identischen Rahmen.  Es ist ja alles nur eine Frage der Idee. Und der Haltung.