Es war nur ein kleiner Eingriff, aber ein peinlicher: Kaum hatte der Langenscheidt-Verlag dazu aufgerufen, im Internet über das Jugendwort 2015 abzustimmen, nahm er eines auch schon wieder von der Liste. Ausgerechnet den Spitzenreiter. – Ende vergangener Woche öffnete der Verlag die Wahl auf dem Portal Jugendwort.de. Gemeinsam mit der Bravo, Rundfunksendern und dem Bundesverband Junger Medienmacher lädt er seit 2008 alljährlich zur Abstimmung über 30 Begriffe und Wendungen ein. Aus der Spitzengruppe von zehn kürt im November eine Jury das Gewinnerwort.

Die Umschreibung für die Angst vor Datenklau im Internet (Cloudophobie) gehört ebenso zur 30er-Liste wie ein neues Wort für Selfie (Egoshoot). Chancen haben eine Umschreibung von Menschen, die beim Starren aufs Smartphone alles um sich vergessen (Snombie), wie das Erschrecken über einen unschönen Anblick (Augentinnitus). Und wenn man der Auswahl glaubt, chillen Jugendliche heute nicht mehr – sie rumoxidieren. Das Wort ist derzeit an Position zwei, gemeinsam mit Earthporn für eine schöne Landschaft; wer sich daran gewöhnt hat, dass Fotos von Essen heute Foodporn sind, kann das herleiten.

"Der Dümmste von allen"

In den nächsten Monaten lässt sich beobachten, wie Begriffe beliebter werden oder an Gunst verlieren. Bis zum Sonnabend lag Alpha Kevin vorn. Schon Kevin allein gilt als Schimpfwort, wie die Community von jugendwort.de fröhlich plaudert: „Kevin ist eine Diagnose“, schreibt einer; ein anderer führt aus: „Meistens blöd und nicht ganz der deutschen Sprache mächtig“.

Eltern, nennt eure Söhne nicht Kevin! Es ist längst wissenschaftlich bewiesen, dass Jungs dieses Namens auch von Lehrern schlechter behandelt werden als all die Maximilians und Leons dieser Generation. Alpha Kevin bekam im Jugendwort-Ranking die Beschreibung „der Dümmste von allen“. Jetzt ist er raus, zum Glück. „Sprache ist der Fußabdruck deiner Gedanken“, heißt es auf jugendwort.de. Nun, Sprache ist schon noch ein bisschen mehr. Als Kommunikationsmittel kann sie Diskriminierung prägen oder vertiefen. Das hat man bei Langenscheidt spät, aber nicht zu spät gemerkt.

Das Wort, das nun an die Spitze der Abstimmung gerückt ist, bezieht sich auch auf einen Namen, auf den der mächtigsten politischen Person Deutschlands. Die muss das so lange aushalten, bis jemand feststellt, dass auch sie beleidigt wird. Die Schmerzgrenze bei Personen der Öffentlichkeit liegt allerdings höher. Merkeln bedeutet: „Nichtstun, keine Entscheidungen treffen, keine Äußerungen von sich geben.“

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