„Eine Klimapolitik, die alle verschont, verdient den Namen nicht“, stand gerade in der Süddeutschen Zeitung. Es gehe um das sofortige Ende eines Wirtschaftssystems, ergänzten die ARD-„Tagesthemen“, und „dieser Systemwechsel wird natürlich schmerzhaft sein“. Kompromisse und Verhandlungen seien dabei so hilfreich wie Beten gegen die Pest, twitterte der Journalist Mario Sixtus. Stattdessen: „Krise ausrufen, Krisenregierung einberufen, die allein das Ziel hat, diese Krise zu lösen. Alles andere ist nachrangig, inklusive privatem Eigentum oder persönlichen Lebensplanungen.“

Klimarettung bedeutet auch Verzicht - viele werden sich dagegen aufbäumen

Letzteres wirkt einen Hauch grundgesetzwidrig, doch man sollte nicht kleinlich sein. Wer davon ausgeht, dass man bald im Müggelsee Kartoffeln kochen kann, den lockt jede Vermeidungsstrategie knapp unterhalb von Apocalypse Now. Einige Städte desensibilisieren ihre Bewohner bereits für das Wort Klimanotstand. Kein Preis ist zu heiß. Immer häufiger ist zu vernehmen, dass jetzt nur noch eine Art Ökodiktatur helfen könne. Mag sein. Ich weiß es ja auch nicht besser. Mir geht es hier allein um seltener ventilierte Durchsetzungsdetails einer Radikaltotalumstellung.

Manche Menschen mögen nämlich keinen Schmerz und würden gern verschont. Nicht jeder hat das Talent für Opfer und Verzicht. Maximale Kompromisslosigkeit dürfte, was Jobs, Geld, Bratwurst und Fahrspaß betrifft, vielen sehr wehtun. Negative Kräfte könnten versuchen, dieses Massenmissvergnügen auszunutzen. Gewiss, dagegen ließen sich Bewusstseinsverbesserungsprogramme auflegen. Demokratisch ist dann, wer oder was dem objektiven Interesse der Menschheit folgt beziehungsweise den Ratschlüssen des Krisenkommissariats. Freiheit ist die Einsicht in die Notständigkeit. Dennoch bleibt zu befürchten, dass Bürger sich gegen die Nachrangigkeit ihrer Lebensplanungen aufbäumen. Womöglich bedarf es einer Behörde, die solche Elemente neutralisiert. Die Mehrheit wird davon wenig mitbekommen. Deutsche, das lehrt die Geschichte, können sehr diszipliniert sein, wenn es ums Ganze geht.

Zur Klimarettung passt nun Trotzkis Ansatz

Dann naht, da bin ich zuversichtlich, der Moment, in dem Deutschland alles Erdenkliche unternimmt. Der Moment, in dem es, wie schon bei der Flüchtlingskrise, verblüfft feststellt, dass es auf der Erde noch andere Staaten gibt und viele davon dem leuchtenden Beispiel unzureichend folgen. In dem es bemerkt, dass moralisch unreife Facharbeiter, Ärzte und Ingenieure von dannen ziehen, dorthin, wo sie ihren überkommenen Wohlstandsbegriff noch ausleben können. Ich sage es ungern, aber angesichts der Staatsstabilität könnte es geboten sein, die Grenzen nach innen zu sichern.

Die russischen Revolutionäre Stalin und Trotzki hatten eine Kontroverse. Stalin sagte, jedes Land möge seinen Systemwechsel nach eigenem Gusto durchziehen. Trotzki fand, derlei müsse schnellstmöglich in alle Welt exportiert werden. Sonst funktioniere es nicht. Stalin hatte seinen Versuch. Zur Klimarettung wäre nun Trotzki in Anschlag zu bringen, etwa gegen Amerikaner, Inder und Chinesen. Keine Verhandlungen, wie gesagt. Deutschland müsste die Klimaschädlinge seinem besseren Wollen und Wissen unterwerfen. Oder zumindest ein polnisches Kohlekraftwerk bombardieren. Aber ach, mit welcher Armee? Insoweit stimme ich oben genannten Thesen zu: Dieser Weg wird kein leichter sein.