Berlin - Seit Jahrzehnten ärgert das Kulturforum. Generationen von Planern haben sich vergeblich an dieser Wüstenei abgearbeitet. Nun gibt es zum ersten Mal seit Langem einen ernsthaften Vorschlag, wie dieses Problem zu lösen sei: nämlich mit einer gewaltigen, 10.000 Quadratmeter überbauenden Ziegelscheune. Aber Berlin schweigt.

Bis zum Sonntag sind am Kulturforum die Entwürfe des Wettbewerbs zu sehen. Sie zeigen noch einmal, welche Provokation das Projekt der Schweizer Architekten Herzog und de Meuron ist. Weder die Erinnerung an das bürgerliche Tiergartenviertel noch der Traum der Nachkriegszeit von einer landschaftlich zu planenden Stadt werden von ihnen aufgerufen. Stattdessen ist ein nach außen hin weitgehend verschlossener, geradezu antiurbaner Ziegelbau zu sehen, der wie eine Shoppingmall über die breiten Korridore alle städtische Energie nach innen ziehen will.

Selbst zentrale Probleme des Kulturforums bleiben ungelöst: Die gigantische Potsdamer Straße, die die Staatsbibliothek verinselt, wird in ihrem Verlauf sogar noch bestätigt durch die leicht geschwungene Außenwand der Scheune; die grauslige Zugangsrampe zu den Staatlichen Museen wird gleich ganz ignoriert, die Neue Gemäldegalerie und das Kunstgewerbemuseum kommen endgültig ins städtische Abseits.

Kein Protest

Und doch protestiert nicht einmal die sonst so wortgewaltige Scharoun-Gesellschaft. Auch die Denkmalpfleger haben sich offenbar damit abgefunden, dass man künftig von der Terrasse der Neuen Nationalgalerie vor allem ein agrarisches Ziegeldach sehen wird. Man könnte also annehmen, dass die Auslober des Wettbewerbs und die Juroren mit ihrer Begeisterung für diesen „archaischen“ Bau alles richtig gemacht hätten. Wenn es nicht die teilweise scharfen Verrisse in den Feuilletons gäbe, das den Wettbewerb in die Provinzialität verweisende Heft der Zeitschrift Bauwelt oder die vielen Gespräche der Planer untereinander in der Ausstellung, bei denen Begeisterung praktisch nie zu hören ist. Auch das breitere Publikum ist kaum enthusiasmiert, wie Leserbriefe und Online-Umfragen zeigen.

Hier sollen mindestens 200 Millionen Euro für einen Museumsbau ausgegeben werden, den bis vor kurzer Zeit sogar die künftigen Nutzer, die Staatlichen Museen, gar nicht wollten. Es spielt erstmal keine Rolle, wie man zu diesem Projekt steht. Aber so viel Streit, wie er in Berlin um jede kleine Uferpromenade auszubrechen pflegt, hat der Scheunenbau schon verdient.