Köln - China schenkt Trier ein Marx-Denkmal. Muss das wirklich sein? Wer als Deutscher China bereist, den weht es mitunter heimelig an. Da geht er durch einen Park – und sieht sich auf einmal einer Figurengruppe mit vertrauten Physiognomien konfrontiert. Ja, da sind sie, Karl Marx und Friedrich Engels, die Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus. Demnächst muss man – als Rheinländer – nicht mehr nach China reisen: Wuppertal hat bereits sein Engels-Denkmal, und jetzt bekommt auch zum 200. Geburtstag (2018) ihres großen Sohnes die Geburtsstadt Trier eine Marx-Statue. Der Stadtrat billigte sie gerade mit großer Mehrheit.

Das wäre an sich keine größere Aufrege wert – man mag ja von Marx halten, was man will, aber als Theoretiker der industriellen Moderne hat er unbestritten seine Meriten. Indes ist es ein Besonderes um das Denkmal: Es handelt sich um ein Geschenk aus – ja, woher wohl? Richtig, aus China. Außerdem soll es sage und schreibe – 6,30 Meter hoch werden. Heiliger Bimbam, rufen wir da aus, und zwar nicht deshalb, weil sich da ausgerechnet die katholische Bischofsstadt Trier solche skulpturale Atheisten-Feier zulegt. Vielmehr legt die schiere Gewalt der Dimensionen den Verdacht nahe, der Künstler Wu Weishan lasse hier einen verklärenden Monumentalismus walten, der Marx am allerwenigsten gerecht wird – diskutieren soll man ihn, nicht verehren. Vor allem aber: Da kommt etwas aus einer Hochburg der Menschenrechtsverletzungen und der immer noch im Namen von Marx und Engels unterdrückten Freiheit. So wird ein Präsent zum Danaergeschenk. Zählt da etwa noch der Hinweis, das Ganze koste schließlich nichts?