Berlin - Vier Tote, die zur falschen Zeit am falschen Ort standen: Auch wenn der Hergang des schrecklichen Unglücks in der Berliner Invalidenstraße noch nicht geklärt ist, besteht Anlass genug, über die städtische Verkehrspolitik und über jenen 1,8 Tonnen schweren, spurtstarken Porsche-SUV nachzudenken, der zur Todeswalze wurde. SUV heißt Sports Utility Vehicle. Angeblich handelt es sich um ein für sportliche Zwecke besonders geeignetes und nützliches Fahrzeug. Mit Sport haben besagte Kisten wenig zu tun, das sieht man an ihren Haltern. In Deutschland werden die Ungetüme – albern, aber treffend - als Stadtgeländewagen bezeichnet. Sie ähneln äußerlich einem Geländewagen, können aber nur auf Asphalt herumdonnern. Dazu sind sie jedoch ersichtlich zu groß, zu schwer und übermotorisiert.

Nach aktueller Prognose werden bis zum Jahresende in Deutschland mehr als eine Million SUVs verkauft werden: 30 Prozent aller 2019 neu zugelassenen PKW, fast ein Drittel! Verrückt! Unsere Städte und Straßen sind verstopft, es fehlt überall an Platz für Fußgänger, Straßenbahnen und Radfahrer, das Klima kollabiert – aber immer mehr Leute prunken mit diesen Monstern. Warum nur? Wer sind die Käufer? Die so gern geschmähten Besserverdienenden können es nicht allein sein. Dazu ist die Menge der SUVs viel zu groß. Die mittleren Einkommensschichten, die kleinen Angeber, die angeblich Abgehängten kaufen fleißig mit. Wir haben es mit einer Volksseuche zu tun, die auch im links-liberal-grünen Milieu kräftig grassiert. Exemplarisch kann man das bei Biolüske in Berlin-Lichterfelde-West beobachten. Die Grünen erzielen in dieser Wohngegend Wahlergebnisse von mehr als 30 Prozent, und ihr Edelschuppen für alles Naturbelassene lockt mit dem Slogan „ökologisch, verantwortungsvoll, genussreich“. Für seinen „frisch sanierten & gestalteten Parkplatz“ wirbt Biolüske auf im Internet ebenfalls. Und womit? Mit einem roten Porsche.

Dieser Tage berät unser Klimakabinett über Vorschläge zum besseren Schutz der Umwelt. Da ich die Erhöhung der Gesamtsteuerlast strikt ablehne, erscheint mir eine Neuverteilung der Lasten nach dem Verursacherprinzip sinnvoll. Wenn man also Bahnreisen steuerlich begünstigt, den öffentlichen Nahverkehr ausbaut und verbilligt, dann sollten Flugreisen und PKWs so hoch belastet werden, dass die Einnahmen des Staates wieder ausgeglichen sind. Das schöne deutsche Wort Steuer kommt von steuern, weist also auf die politische Lenkungsfunktion hin, die der Fiskus wahrnehmen soll.

Für PKWs sollte eine Steuer eingeführt werden, die sich aus dem Gewicht, den Außenmaßen, dem Abrieb der Reifen (Feinstaub), dem Kraftstoffverbrauch, dem Ausstoß giftiger Gase und Partikels sowie dem Ressourcenverbrauch zur Herstellung des Gefährts errechnet. Das Überschreiten vernünftiger Grenzen sollte nicht verboten, aber mit einer massiven, zudem progressiven Steuer belastet werden, die an anderen Stellen den klimapolitischen Ausgleich ermöglicht. Daneben würden Geschwindigkeitsbegrenzungen, härtere Strafen gegen Verkehrsverstöße, der Rückbau von Autotrassen und Parkplätzen durchaus helfen. Ich wünsche mir wohnliche und menschenfreundliche Städte. Das Zeitalter der „autogerechten“ Stadt muss mit allen demokratischen und gesetzlichen Mitteln beendet werden. Die Zeit ist reif.