In der Gemäldegalerie sollen künftig die Sammlung Pietzsch, die Sammlung der Klassischen Moderne der Nationalgalerie und auch Teile der Sammlung Marx aus dem Hamburger Bahnhof gezeigt werden. Man braucht nur Sekunden, um zu sehen: Diese zehn Millionen wären besser in ein anderes Projekt geflossen, in eine schlichte Ausstellungshalle für die Sammlung Pietzsch etwa.

Die Gemäldegalerie mit ihren Werken aus dem Mittelalter, der Renaissance und dem Barock soll nämlich bald nur noch teilweise ausgestellt werden, zusammen mit der Skulpturensammlung in einer, wie es verschleiernd heißt, „komprimierten Weise“ im Bode-Museum – bis dann irgendwann einmal ein Neubau auch für sie erstellt werden kann.

Man fragt sich, wie der Direktor der Gemäldegalerie, Bernd Lindemann, und der Generaldirektor der Museen, Michael Eissenhauer, einem solchen Konzept zustimmen konnten. Denn wer weiß schon, ob die Hoffnung auf den Erweiterungsbau neben dem Bode-Museum sich jemals erfüllt. Es gibt ja noch eine Finanzwelt außerhalb der Staatlichen Museen.

Im so freundlich geldgebenden Bundestag ist die Bedeutung der Gemäldegalerie offenbar unbekannt, über den Allgemeinplatz hinaus, dass sie eine der vier, fünf weltweit wichtigsten Sammlungen überhaupt ist. Die Bedeutung für das Publikum und die Wissenschaft aber liegt in der nur von der Londoner National Gallery übertroffenen systematischen Vollständigkeit.

Seit 1830 wurden von möglichst allen westlichen Kunstschulen und allen Malern, den wichtigen und den nichtigen, Hauptwerke und Schulwerke erworben. In den 1920er-Jahren galt deswegen der Spruch: Wer Kunst studieren will, gehe nach Italien. Wer aber italienische Kunst studieren will, nach Berlin.

Verbannung ins Depot

Diese Gemäldegalerie ist, im Gegensatz zu denen in Paris, Washington, Sankt Petersburg, Wien, München, nicht nur eine Ansammlung von Meisterwerken, sondern ein Lexikon der Malereigeschichte. Schon jetzt wird in der Neuen Gemäldegalerie von diesem Lexikon eher zu wenig als zu viel gezeigt.

Das Bode-Museum aber wäre endgültig in geradezu absurdem Maße zu klein dafür. Die Planung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz bedeutet also, aus dem umfassenden Malerei-Lexikon nur noch einige Bände aufzustellen und den Rest auf unabsehbare Zeit ins Depot zu verbannen.

Man muss es ganz klar sagen: Wenn Direktor Lindemann dem Auszug auch nur eines Gemäldes zustimmt, bevor ein würdiger Standort neben dem Bode-Museum bezogen werden kann, handelt er grob fahrlässig. Berlins Museen würden gerade ihrem treuen Dauerpublikum unentbehrliches Studien- und Genussmaterial in unverantwortlicher Weise entziehen.

Die Forschung, auf die die Stiftung neuerdings so viel Wert legt, wäre ernsthaft behindert, und die internationale Blamage garantiert. Nicht zuletzt würden erhebliche Summen für die Deponierung herausragender Kunstwerke verschwendet.

Die Sammlung Pietzsch ist ein wertvoller Neuzugang der Nationalgalerie. Wir freuen uns darüber. Die Berliner Gemäldegalerie aber ist ein Weltschatz, der ungeschmälert und ohne Zwischenlösungen zugänglich bleiben muss. Bevor das nicht garantiert ist, darf kein Umbau am Kulturforum beginnen.