Hortensia Völckers, Künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes, am 12. Februar 2020 im Kunstzentrum Kindl in Neukölln. 
Foto Falk Wenzel

BerlinMit eleganter Sonnenbrille begrüßte Hortensia Völckers, die Künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes, das Kulturvolk am Mittwochabend zum Jahresempfang im Neuköllner Kindl. Politiker, Verwaltungsmenschen und Journalisten kommen da mit Kulturschaffenden aus den aktuell geförderten Projekten zusammen. Bevor einige von ihnen ihr Geplantes kurz vorstellen, teilt die Direktorin stets Gedanken zur kulturellen Lage. 

Diesmal wies sie zunächst auf einen „Kompass für ökologisch nachhaltiges Produzieren im Kulturbereich“ hin, der bald verbindlich sein wird: „Also – wir müssen das machen!“ Dann knüpfte sie an Anta Helena Reckes Münchner Inszenierung „Die Kränkungen der Menschheit“ an, die beim – von der Kulturstiftung geförderten – Theatertreffen zu sehen sein wird. Recke erweitert die drei von Sigmund Freud benannten  „narzisstischen Kränkungen der Menschheit“ um eine vierte: Nicht nur sei die Erde nicht der Mittelpunkt der Welt, der Mensch nicht die Krone der Schöpfung und in seinem Tun von Unbewusstem geleitet, sondern auch keineswegs nur westlich und weiß. Diesem Ende des Eurozentrismus fügte Völckers als weitere „Kränkungen“ hinzu: die ökologische und die epistemologische – das Ende der Herrschaft über die Erde und das Ende der Gewissheiten.

Mehreres dachte ich später bei den Häppchen (Linsensalat und Tortilla). Vor allem, dass es an der Zeit wäre, statt „Kränkungen“ lieber von Entdeckungen zu sprechen, um die es sich ja in allen Fällen handelt. Denn auch in der lustvollen Selbstverletzung bleibt man doch letztlich auf den eigenen Nabel konzentriert. Womöglich war es nur Freuds Privatproblem, sich von der Existenz des ihm Unbewussten gekränkt zu fühlen! Nicht nur das Bild des weißen alten Mannes ist vom Thron zu nehmen, sondern auch seine bewusstseinsbildende Begrifflichkeit. Also – auch das müssen wir machen!