Der Eingangsbau zur Museumsinsel ist nicht nur wegen seines unwägbaren Untergrunds umstritten. Aus architektonischen, aber auch aus museologischen Gründen gibt es Anlass zur Kritik.

Die James Simon-Galerie soll der Empfangsbau für das Neue Museum und das Pergamonmuseum sein, die Besucher müssen dann nicht mehr im Regen anstehen. Hier werden nach dem Wunsch der Staatlichen Museen aber auch die Bus-Touristengruppen auf den „Hauptrundgang“ durch das Pergamonmuseum und in die „Archäologische Promenade“ zwischen den Museumsgebäuden geschickt. Einzelbesucher sollen so getrennt werden von denen, die in kurzer Zeit die Hauptwerke sehen wollen.

Seit den 70er-Jahren fordert der Massentourismus auch in den Kultureinrichtungen neue Ansätze. Die Umplanung des Louvre zum „Grand Louvre“ mit der legendären Glaspyramide – letztlich das Vorbild für Berlin – war eine Antwort: Erst wird der Besucherverkehr gebündelt, um ihn dann zu verteilen. Nicht zuletzt hoffen die Museen, so die Besucher kommerziell stärker ausbeuten zu können. In Paris entstanden dafür eine unterirdische Shopping-Mall und dauernd betriebene Sonderausstellungen. Ob in Berlin mit dem engen Buch- und Andenkenladen, dem schmalen Café in der Simon-Galerie und der einen Ausstellungshalle dieser Effekt erzielt werden kann, sei dahin gestellt.

Besucher suchen eigenen Weg

Wie derzeit auf der Museumsinsel geplant, wurden auch in Paris die historischen Bauten radikal umgestaltet, um dem neuen Konzept Raum zu verschaffen. Dennoch hat sich inzwischen herausgestellt: Kein Museum, das sich auf Hauptrundgänge einließ, seien sie auch noch so didaktisch komponiert, hatte damit bildungs- oder finanzpolitischen Erfolg. Die Kosten für die Umbauten waren erheblich, die Besucher aber suchten sich ihre eigenen Wege.

Die andere Antwort auf den Massen-Kulturtourismus findet man in Großbritannien, Skandinavien oder den USA. Sie haben zwar auch ihre kommerziellen Angebote und das Bildungsprogramm ausgeweitet, das British Museum erhielt 2000 die grandiose neue Verteilerhalle im Innenhof. Aber eben kein Rundgangsystem. Die Umbauten waren vergleichsweise bescheiden. Direktor Neil McGregor sagte einmal dazu: „Wir stellen alles bereit. Aber eine Entscheidung müssen die Besucher selbst fällen: Was sie sehen wollen.“

Der erste Entwurf von David Chipperfield für eine Erweiterung der Museumsinsel von 1993 folgte im Wesentlichen diesem Konzept. Seine faszinierende, halbdurchsichtige und statisch leichte Halle für die Besucher und die altägyptischen Architekturen erhielt aber nur den 2. Preis im Wettbewerb.

Überholtes Tourismuskonzept

Die Museumsleute wollten mehr Pop, die Berliner Stadtbildhistoristen mehr Schinkel und Naturstein. Auch der Entwurf von 2002, in dem Chipperfield drei leichte Kuben aus satiniertem Glas vorschlug, scheiterte deswegen. Der jetzige Entwurf von 2006 mit breiten Treppen, Terrassen und Pfeilerhallen antwortet auf diesen Traditionalismus. Doch die schönen Illustrationen verschleiern das städtebauliche Problem des Gebäudes. Gezeigt wird immer wieder die überzeugend reich gegliederte Ansicht vom Lustgarten. Die Fassade zum Kupfergraben aber mit dem kargen Sockel, der jetzt immerhin durch eine Treppe und zwei Fenster gegliedert wird, die sieht man nur selten. Dabei wird sie dereinst einmal das Neue Museum fast völlig verdecken.

Doch dieser Bau ist kein Selbstzweck. Hinter dem hohen Sockel verbergen sich all die Infrastrukturen, die für den Hauptrundgang durch das Pergamonmuseum notwendig sind. Diese Architektur und ihre immensen Kosten sind die Folge des Berliner Traditionalismus und eines inzwischen weltweit als überholt betrachteten Tourismuskonzepts.