Berlin - Kreuzberg. Draußen regnet es. Im Klub SO36 versammeln sich die Fans von Nena. Sehr viel Geld haben sie ausgegeben für das Konzert, es ist unter Garantie das teuerste Konzert, das jemals in diesem dunklen Schlauch abgehalten wurde. Nena füllt die größten Hallen, aber um ihr neues Album „Oldschool“ vorzustellen tourt sie durch kleine Läden, eine Klubtour, so wie früher, als Nena noch nicht so berühmt war und in der Oranienstraße gewohnt hat.

„Nei-u-nei-zisch Luftballoni“

Das erste Mal, als ich von Nena gehört habe, war ich sehr jung. Ein Freund aus Belgrad kam zu Besuch im Sommer, er hat immer „nei-u-nei-zisch Luftballoni“ gesungen, „ein deutsches Lied... kennstu das etwa nicht?“ Und irgendwann haben wir es dann zusammen gesungen, sind rumgehüpft, „nei-u-nei-zisch Luftballoni, nei-u-nei-zisch Luftballoni“.

Wir trugen dann ebenso gerne Schweißbänder wie Nena, damals war das Mode. Lieder von Nena wurden damals ständig und überall gespielt, im ganzen Land, in jeder Disco, jede Provinzberufscoverband sang ihre Songs.

Das SO36 ist voll, alle freuen sich auf Nena, zunächst spielt aber deren Tochter Larissa mit ihrer Band ADAMEVA sehr tanzbaren Elektropop. Den Fans gefällt das sehr gut. Zwar tanzen nicht alle mit, aber immer, wenn Larissa etwas sagt oder lacht, heißt es: „Hör dir das mal an, unglaublich, wie die lacht, wie die spricht, wie die sich bewegt, ganz ihre Mutter...“

Nur einem einzigen Zuschauer gefällt „dieses elektronische Zeug“ nicht, er ist im Raucherraum, wo er raucht und Bier trinkt, sich die Zeit vertreibt, bis endlich Nena kommt. Da kommt sie auch schon, läuft mit vielen jungen Menschen um sich herum ins SO 36, begleitet von Security und Kameras, schnurstracks durch die Menge auf die Bühne.

Die Nena-Family

Da steht sie dann in schwarzer Lederjacke, die auf der Rückseite mit einem sehr großen Herzen bestickt ist. Sie springt von links nach rechts, oder aber sie bewegt ihren Kopf von links nach rechts. Es ist viel schöner und besser die Lieder von Nena live zu hören, als in irgendeiner Disco.

Ihre Band spielt sehr präzise, Nena singt auf den Punkt, die Lieder aus der Zeit der Neuen Deutschen Welle passen in den Laden. Die Menschen haben eine gute Zeit, fröhlich wippen sie mit, einige schmusen, einige kennen such schon die Texte ihrer neuen Lieder.

Ab und an schnallt Nena sich eine Gitarre um und spielt auch auf dem Instrument. Alle jubeln im restlos ausverkauften Kreuzberger Klub, der Sound ist laut und sehr gut abgemischt. Mit ihrer Tochter und ihren Söhnen steht sie da auf der Bühne, auch sie tanzen alle mit, sie singen zusammen, eine muntere Truppe ist das.

Bei "Nur geträumt" strecken die Menschen, die graue Haare, Glatze oder Nena-Frisur und Brille tragen, ihre Fäuste in die Luft, die Band prescht nach vorne, bis in die letzte Reihe singen die Menschen mit. "Ist das geil!" sagt Nena, sie freut sich. Im Takt klatschen die Fans, "Dankeschön!" ruft Nena.

Sie rudert mit den Armen von links nach rechts, die Fans machen das dann auch. „Bei Wunder geschehen, ich hab’s gesehen“ fasst sie sich an ihren Kopf, als könnte sie es selbst nicht fassen. Zu "99 Luftballons" fliegen ein paar riesengroße Luftballons durch den Laden.

Bei "Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann" sagt einer im Publikum, "damals hab ich noch in einer WG gewohnt, Frauen und Männer haben getrennte Kühlschränke gehabt, mit Schloss und so“. Als "Leuchtturm" angespielt wird, rennt eine Frau aus der Männertoilette, die Hose knöpft sie im Laufen zu, es ist ihr Lieblingslied.

Es ist ein Abend voller Limonaden-Melodien. Und allen hat das sehr gut gefallen.