Auftritt des Konzerthausorchesters auf dem Gendarmenmarkt. 
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BerlinEs hat etwas Rührendes, dass einige Berliner Musik-Institutionen die Corona-verhunzte Saison immerhin mit einem Stück lebendiger Musik vor Publikum zu Ende bringen wollen, als solle die Krise nicht das letzte Wort haben. Nach der Deutschen Oper betätigt sich auch das Konzerthausorchester unter offenem Himmel. Für sein letztes Konzert am Samstag Nachmittag wurden Kreise auf den Gendarmenmarkt gemalt: Wenn der Zuhörer in ihnen verharrt, wahrt er den empfohlenen Abstand zum nächsten Besucher.

Trotz nicht versiegenden und nicht nur nieselnden Regens an diesem Nachmittag sind alle Kreise belegt mit Menschen, die das Konzerthausorchester unter seinem Chefdirigenten Christoph Eschenbach hören wollen, und sei es auch in merkwürdig improvisiert klingender Verstärkung. Dabei kämpft das Orchester nicht nur gegen Wind und Wetter, sondern auch mit der distanzierenden Sitzordnung, die die Musiker auf zahlreiche Treppenstufen verteilt und die Bläser mit Plexiglaswänden vor ihren eigenen Aerosolen beschützt.

Nach Grußworten von Intendant Sebastian Nordmann und Kultursenator Klaus Lederer betritt Eschenbach das Podium mit Maske und verbeugt sich auch mit ihr – eine Demonstration epidemiologisch empfohlenen Wohlverhaltens; zum Dirigieren von Beethovens Fünfter nimmt er sie ab.

Das Stück soll Bedrohung, Stille und schließlichen Triumph zum Ausdruck bringen, aber die Sache kommt bedauerlicherweise nicht recht in Schwung – die lange Pause hat dem Ensemblegeist, dem gemeinsamen Gestalten von Tempo, Phrasen und Gesten deutlich Abbruch getan. Zum Vergleich: Das Ende des Zweiten Weltkriegs hat die Berliner Philharmoniker nur sechs Wochen lang verstummen lassen. Dass Musik keine Trösterin mehr sein soll, sondern zur tödlichen Gefahr erklärt wird, ist eine bemerkenswerte kulturelle Entwicklung.