Konzertkritik: Om, der Name ist Programm

Berlin - Es hätte ruhig viel lauter werden dürfen. Schließlich passen in den hohen Saal des Berghain tonnenweise schwerste Basswolken und prasselnde Trommeln, wie sie die Doom-Metal-Spezialisten von Om heraufbeschwören. Und die Naturgewalt des Omschen Schaffens entfaltet sich natürlich am besten, wenn das Brummen und das Dröhnen so machtvoll auf den Körper stürzen, bis er davon ganz vollgesogen ist. Wer also am Dienstag gehofft hatte, die rüttelnden Vibrationen würden bröselnd auf die winterlich verstockten Nebenhöhlen wirken, blieb wenigstens therapeutisch etwas enttäuscht. Auch die Band selbst haderte immer wieder mit den Verstärkern und musste die Performance zum Nachjustieren unterbrechen.

Das war dramaturgisch etwas bedauerlich, denn man darf den Namen durchaus als Programm verstehen. Om spielen zwar auch mit christlich-dräuenden Bildern, nennen Alben „Pilgrimage“ oder „God is Good“ und verzieren sie mit den ikonenartigen Engelsmotiven des Wandmalers David Giffey. Aber ihre Grundidee liegt im Mantrischen und vielleicht, so einer ihrer Titel, der Meditation als Todesübung.

Weniger dramatisch formuliert geht es also nicht darum, wovon Bassist und Sänger Al Cisneros kehlig und gebetshaft raunt und seufzt, sondern um den Effekt der Töne selbst, die sich idealerweise derart aufs Bewusstsein senken, dass der Gedanken Last verdrängt wird.

Hier kommen Cisneros seine Erfahrungen mit Sleep zugute, einer Stoner-Band der frühen Neunziger, die zwar zu ihren Wachzeiten nur zwei Alben veröffentlichte, aber für ihre bedröhnten, monumentalen Black Sabbath-Riffs bis heute nur voll Ehrfurcht zitiert werden. Cisneros begann Om 2003 zunächst als Duo mit Sleeps Schlagzeuger Chris Hakius, den wiederum vor vier Jahren Emil Amos ersetzte. Mittlerweile scheint Robert Lowe, der als Lichens auch solistisch lärmt, mit elektronischen Effekten, Percussion und gelegentlicher Gitarrenarbeit als Vollzeitmitglied zu ergänzen – zumindest deutete sein Sturmafro darauf hin, dass ihm der Om-Wind regelmäßig ins Gesicht bläst, während er sakrale Iron-Butterfly-Orgelklänge, Geräusche sowie atmosphärische Gitarrenlinien in die Stücke hält.

Der entscheidende Reiz Oms besteht jedoch darin, eine vollgültige Doom-, Black- oder Drone-Metal-Stimmung ganz minimalistisch aus Bass und Drums zu schaffen. Einige Fans vermissen dabei die zähe Gewalt Hakius’, aber Amos’ dichte, schlagreiche Arbeit betont eigentlich erst recht Cisneros sture, gern fuzz-belegte Zeitlupenfiguren und schmiegsame Akkorden.

Die Reduktion auf ihrer Natur nach Rhythmusinstrumente unterscheidet Oms Sound von vergleichbaren Ansätzen wie bei Sunn O))), weil sie einen rollenden Groove in die Stücke bringt. So kam es, dass die Musik weniger an fernöstliche Drone-Seancen als an eine Dubversion von Metal erinnerte, in der man noch die schrillen Feedbackspitzen als melodischen Zierrat entfernt hatte. Ein selbstverständlich ebenso aufregendes wie künstlerisch überzeugendes Manöver. Von dem man allerdings gerne etwas schwerer überrollt worden wäre.