Berlin - Das Künstler -Netzwerk Kook hat seine Lesungsreihe KOOKread ins Internet verlegt. Es kommen am Dienstag zwei Autorinnen und ein Autor zusammen, die auf sehr unterschiedliche Weise Kriminalromane als gesellschaftspolitische Spiegel konstruieren. Die Frage der Woche geht an Alexander Gumz, Lyriker und Veranstalter, der den Abend kuratiert hat. Warum haben Sie diese drei ausgewählt?

Alexander Gumz: Ich könnte jetzt einfach sagen, weil ich gerne Krimis lese und die beiden Autorinnen und der Autor gegenwärtig zu den literarisch interessantesten in Deutschland gehören. Diese persönlichen Lesevorlieben passen leider gut zu den wilden, düsteren, aufgewühlten Zeiten, in denen wir leben. Ich schätze keine Wohlfühlkrimis, sondern solche, die auch politisch und gesellschaftskritisch sind. Johannes Groschupf erzählte 2019 in seinem Roman „Berlin Prepper“ von Hass-Jargon und Fake News im Netz, noch bevor die Corona-Maßnahmen-Bezweifler auf die Straßen gingen und die Social-Media-Kanäle fluteten. Jetzt hat das Buch noch mehr Relevanz bekommen, zumal sich die Reichsbürger inzwischen unter die Demonstranten mischen. Susanne Saygin hat für ihr Buch „Feinde“ einen türkischstämmigen Kriminalkommissar erfunden, der Menschenhandel aufdeckt. Und Simone Buchholz’ Romane zeigen die Beziehungen und Abgründe zwischen Arm und Reich in der Hamburger Gesellschaft.

Alle drei haben gemeinsam, dass sie gründlich recherchieren, um diese aktuellen Stoffe glaubwürdig darzustellen. Da wird auch zu fragen sein, warum sie sich für das Genre Krimi entschieden haben und nicht gleich etwa journalistisch arbeiten. Ob Krimis etwas können, was ein Essay, eine Reportage nicht kann.

KOOK ist ja so etwas wie ein Literaturhaus ohne Haus, natürlich mit einem viel kleineren Programm – aber von der Senatsverwaltung für Kultur gefördert. Zurzeit kümmern sich um KOOKread vor allem meine Kolleginnen Josepha Conrad und Jutta Büchter und Eric Schumacher. Musik ist dabei nicht nur Begleitung oder Pausenfüller. Sie werden das am Dienstag hören: Jakob Dobers’ Texte haben eine Spannung, manche seiner Figuren könnten in Krimis passen. Er wird sich am Gespräch beteiligen.

Natürlich ist es schade, dass ins Acud in der Invalidenstraße nun kein Publikum kommen kann. Doch wir haben inzwischen Erfahrung mit dem Format und können sagen, dass die Gespräche manchmal fast etwas intensiver verlaufen. Bei uns sind immer drei Kameras dabei, sodass kein gleichförmiger Eindruck entsteht. Und Sie können den Abend auch später noch anschauen. (Notiert von Cornelia Geißler)

Livestream am 15.12., 20 Uhr  www.acudmachtneu.de