Funchal - Irgendwann stehen wir dann in der warmen Winternacht unter dem afrikanischen Sternenhimmel, auf einer dramatisch sich über das glitzernde Meer hinwegreckenden Schieferfelsklippe, und hören dem Berliner Elektroproduzenten Schneider TM dabei zu, wie er auf einer elektrisch verstärkten Gitarre immer lautere und schrillere Rückkopplungen erzeugt und diese dann kunstvoll miteinander zu lange stehenden Tönen und zitternden Schleifen verflicht. Dazu wirbelt mit wehendem Gewand eine japanische Tänzerin über die Bühne, während die vom Berliner Sonarkollektiv bekannte Neosoulsängerin Clara Hill die schroffen Geräusche von Schneider TM mit lieblichen Gesangsimprovisationen schmückt. Ich möchte fast sagen: ein perfekter Moment! Und über allem lächelt noch mild der Atlantik-Mond. Etwas früher am Abend konnte man schon den New Yorker Laptop-Elektroniker Daniel Lopatin alias Oneohtrix Point Never mit einer seiner charismatischen Retro-Krach-Collagen erleben; das norwegische Duo Deaf Center verband minimalistische Klavierimprovisationen mit einer atonal gespielten Gitarre.

Abstrakte Elektronik ohne Melodien und Beats, experimentelle Geräuschcollagen mit leiernden Loops und freundlichem Vogelgezwitscher, aber auch menschenverachtender, nihilistischer Lärm in ungewöhnlich entspannter Atmosphäre: das und noch mehr konnte man am Wochenende auf Madeira erleben, der beliebten Bananen- und Blumeninsel im Atlantischen Ozean, etwa auf der Höhe des südlichen Marokko gelegen und mithin auch in diesem eher garstigen Monat mit behaglichen Temperaturen gesegnet.

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