Stella Chiweshe im Haus der Kulturen der Welt.
Foto: HKW/Sebastian Bolesch

BerlinSah man sich bislang allsommerlich auf der Dachterrasse des Hauses der Kulturen der Welt (HKW) zum Wassermusik-Festival, so wurde es diesmal coronabedingt durch das Format „20 Sunsets“ ersetzt, eine Veranstaltungsreihe für Lesungen, Filme und garantiert untanzbare Musik. 

HKW-Musikkurator Detlef Diederichsen setzt dieses Jahr darauf, der gebeutelten Kleinveranstalterszene unter die Arme zu greifen und ihr durch subkuratierte Auftritte einen kleinen Teil der generösen staatlichen Förderung des HKW zukommen zu lassen. Und ihr einen Veranstaltungsort unter freiem Himmel zu bieten, dessen Größe Konzerte trotz Corona-Regelungen erlaubt.

So konnte man am Sonnabend beobachten, als hier beim zweiten Konzert der Reihe der dänische Gitarrist Rolf Hansen sowie die aus Simbabwe stammende Mbira-Spielerin und Sängerin Stella Chiweshe auf sehr unterschiedliche Weise fragmentiert klimperndes Tongut in den Abendhimmel tupften, wie die 300 zugelassenen Besucher sich auf Einzel- und Doppelsitzgelegenheiten platzierten und so eine melancholische Choreographie lieferten. Ein Bild, das bei pittoreskem Sonnenuntergang die hoffnungsvoll abwartende Lähmung des Kulturbetriebs zu Corona-Zeiten ganz treffend wiedergab.

Und das passte auch zur Musik. Gerade weil Hansens mit Loop-Pedal, Pitchveränderer und Hallgerät multiplizierten Post-Jazz-Zupfereien laut seiner Anmoderation von Schlüsselmomenten aus seinem Leben inspiriert waren, wirkte ihre Filmsoundtrackhaftigkeit angesichts der persönlichen Distanz im Publikum besonders stark – etwa so wie Ry Cooders Klänge im Wim-Wenders-Film „Paris, Texas“ anmuten, der ja vor der Kulisse leerer Landschaften menschliche Vereinsamung verhandelte.

Hansen freute sich über das aufmerksam zuhörende Publikum und lobte es; Stella Chiweshe hingegen brachte es in ihre angenehm verstrahlte Performance ein. Als eine der wenigen weiblichen Mbira-Spielerinnen nutzt sie das Instrument – das zu den Lamellophonen gehört, deren Klang durch Zupfen von Metalllamellen erzeugt wird -, um die Musiktradition ihres Landes zu zelebrieren und gleichzeitig zu hinterfragen. Das walzernde Pluckern unterlegte sie mit sich ständig selbst unterbrechenden Geschichten über Flüsse und sich bekriegende Vögel. Analog dazu durfte das Publikum abwechselnd die Hände reiben oder Vogelgeräusche machen.

Stein des Anstoßes im Krieg der Vögel war einer, der immer früher als alle anderen singt. Wie der in Deutschland am frühsten brüllende Vogel hieße, fragte Chiweshe, „Kikeriki“, erklang die Antwort aus dem Publikum! Ein aufs Beste zerfahrener Auftritt ohne schlüssige Enden, dafür auch ohne Tanz voller Lebensfreude – auch dies sehr adäquat für diese Zeit.