Als sein zweiter Krimi fertig war, hat Lothar Beutin gar nicht erst bei traditionellen Verlagen angefragt. Zu schlecht waren die Erfahrungen, die der Berliner bei seinem ersten Buch gemacht hat. An fast fünfzig Verlage und etliche Literaturagenten hatte er das Manuskript geschickt, die meisten antworteten gar nicht oder schickten nur ein Standardschreiben. Eine Begründung, warum sein Werk abgelehnt wurde, erhielt er nicht.

„Rizin“ heißt der Krimi – wie das äußerst giftige Eiweiß aus den Samenschalen des Wunderbaums. Lothar Beutin, 62, kennt sich mit Toxinen aus. Er ist promovierter Mikrobiologe und hat am Max-Planck- sowie am Robert-Koch-Institut geforscht. Jetzt arbeitet er am Bundesinstitut für Risikobewertung, dort untersuchte er etwa den gefährlichen Darmkeim Ehec, der 2011 eine deutschlandweite Epidemie ausgelöst hat. Beutins Krimis spielen in der Welt der Forschungsinstitute, in den Hauptrollen: Gifte, Bakterien, Keime.

Dass sein „Rizin“-Manuskript von den Verlagen nicht beachtet wurde, frustrierte Beutin. Schließlich hatte er zwei Jahre in seiner Freizeit an dem Krimi geschrieben. Seine Frau habe ihn schließlich auf die Idee gebracht, es mit E-Publishing zu probieren, sagt der Hobby-Autor. „Ich habe lange nach Informationen gesucht“, sagt er. Welche Formatierung ist die beste? Für welchen Reader soll das Ganze funktionieren? Welche Vertriebsplattform ist die lukrativste?

Beutin entschied sich für Amazon, dort erschien „Rizin“ dann 2011 als Kindle-E-Book – 2,99 Euro kostet der Download. 150 Mal wurde das Buch bislang heruntergeladen. Nicht einmal 70 Prozent des Verkaufspreises gehen an den Autoren. „Reich bin ich also noch nicht geworden“, sagt Beutin. „Einen Lektor kannst du dir als Indie-Autor nicht leisten.“ Dennoch hat er „Rizin“ inzwischen auch als Taschenbuch auf den Markt gebracht.

Für seinen zweiten Wissenschaftskrimi wechselte der Hobby-Autor dann von Amazon zu Neobooks. „Deren Format ist, anders als Kindle von Amazon, auf allen gängigen E-Readern und auf Tablets lesbar“, sagt Beutin. Anfang 2013 kam sein neues Werk auf den Markt, rund 50 Mal wurde es seither heruntergeladen. Es heißt „Ehec-Alarm“. Ein Mikrobiologe namens Leo Schneider deckt darin die wahren Hintergründe der Ehec-Epidemie des Jahres 2011 auf. (ost.)