Der „Tatort“ aus Köln: Freddy Schenk rettet seine Tochter

Es ist schon lange her, dass Schenks Familie im „Tatort“ eine Rolle spielte. Doch das ausgebrannte Lokal mit Leiche betrieb seine Tochter. Die TV-Kritik zum Sonntagskrimi.

Szene aus dem neuen „Tatort“
Szene aus dem neuen „Tatort“WDR/Bavaria Fiction GmbH/Martin Valentin Menke

Nicht schon wieder! Nachdem erst vor zwei Wochen der Berliner „Tatort“-Kommissar Robert Karow einen ganz persönlichen Fall aufklären musste, trifft es diesmal seinen Kölner Kollegen Freddy Schenk (Dietmar Bär). Er eilt zu einer Brandstätte mit einer Leiche – das ausgebrannte Lokal war von seiner Tochter Sonja und deren Freund Karim betrieben worden. Doch der oder die Tote im Innern der „Wunderlampe“ ist nicht etwa Sonja – die steht auf der anderen Straßenseite hinter der Absperrung. Die Zuschauer hatten schon zuvor gesehen, dass ein maskierter Brandstifter aus einer Neonazi-Demo ausgeschert war, das Lokal in Brand gesetzt hatte und dann von hinten niedergeschlagen worden war.

Es ist schon sehr lange her, dass Schenks Familienleben im „Tatort“ eine Rolle gespielt hatte. Bis 2010 tauchte Karoline Schuch immer mal auf – aber als jüngere Tochter Melanie. Natalie Spinell war letztmalig anno 1999 als Schenks ältere Tochter Sonja zu sehen, damals als schwangere 15-Jährige im Abtreibungsdrama „Licht und Schatten“. Was aus dieser Schwangerschaft geworden ist, bleibt offen – denn Sonjas Tochter, Freddys Enkelin Frida, ist im aktuellen Fall „Schutzmaßnahmen“ nicht 23, sondern erst 15. Gespielt wird die Tochter wieder von Natalie Spinell, die inzwischen vor allem als Autorin und Regisseurin arbeitet und die Münchener Mütterserie „Servus Baby“ kreierte.

Natürlich wird Dietmar Bär in dieser ungewohnten Rolle mal etwas anders herausgefordert – Freddy Schenk wird aus der Routine gerissen. Nachdem er sich offenbar jahrelang gar nicht um die Tochter gekümmert hatte, will er jetzt besonders fürsorglich sein. Er bringt Sonjas Familie in einer geschützten Wohnung unter, merkt aber bald, dass sie einiges verheimlicht: „Ich hab keine Ahnung, was ich dir noch glauben kann!“ Noch größere Probleme hat Schenk mit Sonjas Freund. Karim (Timur Isik) hat für die Tatzeit kein Alibi.

Die politischen Bezüge wirken aufgesetzt

Obwohl Sonja und Freddy über „Racial Profiling“ streiten, zu Beginn Neonazis grölend durch die Kölner City ziehen und auch das Thema Fremdenfeindlichkeit angerissen wird, wirken die politischen Bezüge sehr aufgesetzt, sie behaupten eine Dimension, die der Fall gar nicht besitzt. Besser gelingt Drehbuchautor Pauls Salisbury und Regisseurin Nina Vukovic die Darstellung des Netzes gegenseitiger Abhängigkeiten im Kölner Kneipenviertel. Ob die Chefin des türkischen Cafés oder die Kaschemmen-Wirtin, die selbst ihr bester Gast ist, sie alle halten zusammen und schotten sich ab vor der Polizei. Als Pate im Viertel erscheint der Großhändler (Manfred Zapatka), der nicht nur Feinkost liefert, sondern mit seinen Handlangern alle Wirte unter Druck setzt. Seinem Sohn (Paul Wollin) steht die Gemeinheit schon ins Gesicht geschrieben.

Auch wenn der Fall einige Überraschungen zu bieten hat – ein Element ist in solchen Fernsehkrimis obligatorisch. Kommissar Schenk wird wegen der Nähe zur Tochter immer befangener, verheimlicht seinem Kollegen Ballauf (Klaus J. Behrendt) wichtige Informationen und wird schließlich von den Ermittlungen abgezogen. Dummerweise gerät seine Pistole in die Hände seiner Tochter – so bekommt auch Natalie Spinell ihre große Szene. Seltsamerweise spielt Freddys Frau, Sonjas Mutter, bei all dem Trubel gar keine Rolle, schickt nur Fotos aus der Ferne. Aber vielleicht sorgt ihr Erscheinen mal für den Clou in einem späteren Fall.

Tatort: Schutzmaßnahmen. Sonntag, 1. Januar, 20.15 Uhr, ARD

Wertung: Drei von Fünf