Wuppertal - Als das berühmteste Tanzensemble Deutschlands seiner Intendantin fristlos kündigt, fallen hässliche Anschuldigungen. Adolphe Binder wehrt sich und gewinnt vor Gericht gegen die Stadt – jetzt auch in zweiter Instanz.

Es war vorauszusehen und eigentlich hätte sich die Stadt Wuppertal einen Prozess in zweiter Instanz sparen können. Wie schon das Wuppertaler Arbeitsgericht erklärte nun auch das Landesarbeitsgericht in Düsseldorf die Kündigung von Adolphe Binder, der Intendantin des Wuppertaler Tanztheaters, für unwirksam.

Künstlerisch gefeiert

Viel Staub hatte diese Kündigung im Juli 2018 aufgewirbelt. Nicht nur, weil es sich um das berühmteste Tanzensemble Deutschlands handelte, um Pina Bauschs Wuppertaler Tanztheater. Auch nicht nur, weil die 50-jährige Binder gerade erst ein Jahr zuvor mit Glanz und Gloria als die Person gefeiert worden war, die das Wuppertaler Tanztheater von der Erstarrung befreit, in die es angesichts seines großen Erbes verfallen ist.

Was steckte hinter der fristlosen Kündigung?

Pina Bausch ist vor zehn Jahren gestorben, aber ein neues, über die Erbverwaltung hinausgehendes Profil hat die Compagnie bis heute nicht gefunden. Den Staub aufgewirbelt haben die Methoden, mit denen die fristlose Kündigung durchgesetzt wurde. Einem Rufmord gleichkommende, unhaltbare und inzwischen vom Gericht ausgeräumte Anschuldigungen wurden an die Presse durchgestochen. Nach und nach entstand der Verdacht, dass sich womöglich nicht nur eine neue Intendantin und ein mit mehr Befugnissen ausgestatteter Geschäftsführer feindlich gegenüberstanden, sondern auch der Oberbürgermeister Andreas Mucke, der Stadtdirektor Johannes Slawig, der Kulturdezernent Matthias Nocke und der PR-Berater Ulrich Bieger in den hässlichen Vorgang verwickelt waren.

Offene Fragen

Wuppertaler Sumpf? Das wird sich nicht aufklären lassen. Aber die Zeit wurde von den Stadtoberen genutzt. Längst ist als Binders Nachfolgerin Bettina Wagner-Bergelt installiert. Wie soll es nun weitergehen? Über eine Vergütung für Binder und die Frage der Weiterbeschäftigung will das Gericht zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden.