Berlin - „Kevin – Allein zu Haus“ wird häufig als Weihnachtsfilm bezeichnet. Doch was den Kinostart in Deutschland angeht, ist „Home Alone“, wie der Kultstreifen im Original heißt, alles andere als das. Der Film kam nämlich an einem kalten, sonnigen Januartag in die hiesigen Kinos, dem 17. Januar 1991, um genau zu sein. Zwar sahen die Zuschauer einen aufgeweckten, frechen Jungen, der sich zum Weihnachtsfest statt mit seiner Familie mit fiesen Bösewichten herumschlagen muss. Aber in deutschen Wohnzimmern war zum Zeitpunkt der ersten Begegnung mit Kevin der Baum längst abgeschmückt.

Damals ahnte kaum jemand, zu welchem Erfolg es die Komödie mit seinem jungen Hauptdarsteller, dem heute auch schon 40-jährigen Macaulay Culkin, einmal bringen würde. Immerhin spielte der Film bei Kosten von 18 Millionen US-Dollar weltweit rund 477 Millionen US-Dollar ein. Heute gilt „Kevin – Allein zu Haus“ längst als Klassiker seines Genres und als eine der erfolgreichsten Komödien aller Zeiten. Dabei schrieb John Hughes das Drehbuch für die „Family Comedy Without The Family“, das die Grenzen zwischen Slapstick und Sadismus recht großzügig auslotete, an nur einem Wochenende herunter – dem Vernehmen nach befand er sich dabei in bester Champagnerlaune.

Auch heute noch schalten die Zuschauer reihenweise ein, wenn Kevin sein Heim gegen die von Joe Pesci und Daniel Stern genial dämlich gespielten Gauner Harry und Marv verteidigt. Am Heiligabend 2020 bescherte „Kevin – Allein zu Haus“ dem Sender Sat. 1 einen Quotenerfolg: 2,82 Millionen Menschen sahen die 30 Jahre alte Komödie, ein Marktanteil von 13,2 Prozent. 

Dass der Film nicht in Vergessenheit gerät, liegt nicht nur daran, dass sich die ganze Familie auf ihn einigen kann oder dass es eben kein weiterer kitschiger Gute-Laune-Film zum Fest ist, sondern in seinen besten Momenten eine grandiose Gehässigkeit mit einem herrlich unschuldigen Dreikäsehoch. Geplant oder nicht, wird auch 30 Jahre nach seinem Erscheinen immer wieder auf Kevin referenziert. Aktuell zum Beispiel in Sachen Donald Trump.

Die Szene mit Donald Trump in „Kevin – Allein in New York“.

Quelle: Youtube

Selbst viele bekennende Fans des Films hatten es wohl bis vor kurzem nicht mehr auf dem Zettel, dass der amerikanische Noch-Präsident auch in ihrem Lieblingsstreifen eine Rolle spielte. Im Jahr 1992 drängelte sich Donald Trump quasi in die Fortsetzung „Kevin – Allein in New York“ hinein und spielte darin, natürlich, sich selbst. Der Cameo-Auftritt dürfte vor allem seinen Anhängern gefallen haben, dem Filmteam war er scheinbar nicht ganz so recht. Ursprünglich war die Szene, in der Kevin im Plaza Hotel in New York ankommt und Inhaber Donald Trump nach dem Weg zur Lobby fragt, von den Machern jedenfalls nicht vorgesehen.

In einem Interview mit dem Magazin Insider anlässlich des 30-jährigen Filmjubiläums erinnerte sich Regisseur Chris Columbus, der später auch die Komödie „Mrs. Doubtfire“ sowie zwei Harry-Potter-Verfilmungen drehte, jetzt zurück. Seine Crew habe Aufnahmen machen wollen in der Lobby des weltbekannten Luxushotels in Manhattan, das damals Trump gehörte. „Trump sagte okay“, erzählte Columbus. „Wir bezahlten die Gebühr, aber er sagte auch: ‚Die einzige Möglichkeit, das Plaza zu nutzen, ist, wenn ich im Film mitspiele.‘“ Darauf ließ man sich ein, so der heute 62 Jahre alte Filmemacher, weil man die einmalige Kulisse unmöglich hätte nachbauen können. Bei der ersten Filmvorführung hätten die Leute dann gejubelt, als Trump auf der Leinwand erschien. Er habe die Szene schließlich im Film belassen, als „Moment für das Publikum“. Trump habe sich, bilanziert Columbus heute, in den Film regelrecht hineingemobbt.

Doch nun, nachdem man den abgewählten US-Präsidenten in Folge des Sturms auf das Kapitol von den Social-Media-Plattformen verbannt hat, droht auch Trumps Gastauftritt noch ein spätes Ende – zumindest auf seiner Lieblingsspielwiese Twitter. Immerhin forderten dort nicht wenige Filmfans, dass die Trump-Szene aus „Home Alone 2“ herausgeschnitten wird. Ein Nutzer zögerte nicht lange und machte den Präsidenten unkenntlich – Trump verschwindet auf nicht besonders kunstvolle, aber ziemlich lustige Art und Weise. Das Video von Max Schramp erhielt viel Beifall auf Twitter. Auch Hauptdarsteller Culkin schrieb: „Bravo“.

Andere Nutzer der tausendfach geteilten Tweets ersetzten Trump kurzerhand durch Dolly Parton, Keanu Reeves oder Jabba the Hutt aus „Star Wars“. Eine Albernheit, die nicht mal neu ist. Bereits 2019 gab es ein wenig Aufregung, weil ein kanadischer Fernsehsender den Film ohne die Szene mit Trump ausstrahlte. Ein Sprecher rechtfertigte dies mit der Länge des Films, Trumps Sohn echauffierte sich auf Twitter, doch der Vater nahm es ungewohnt gelassen: „Der Film wird nie wieder derselbe sein (nur ein Scherz).“

Diesmal kann der gesperrte Präsident nicht reagieren, sein Auftritt ist aber ohnehin nur eine von vielen Referenzen, die „Home Alone“ immer wieder in die Gegenwart katapultieren. Ein nicht zu unterschätzender Faktor sind auch der Name Kevin und die damit verbundenen Witze. Immerhin lag der heute viel gescholtene und belächelte Vorname im Jahr 1991 auf Platz 3 der beliebtesten Jungen-Namen in den alten und auf Platz 5 in den neuen Bundesländern. 1990, also im Jahr vor dem Erscheinen des Films, war er laut der Gesellschaft für deutsche Sprache noch nicht in den Top Ten zu finden. Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Kevin Kühnert, Jahrgang 1989, lässt sich Anspielungen auf den Film jedenfalls nicht entgehen. Zu Beginn der Corona-Pandemie änderte er seinen Twitter-Namen in „Kevin allein zuhaus Kühnert“, um dafür zu sensibilisieren, die Kontakte während der Pandemie einzuschränken.

Auch der Star des Films, der im Laufe seiner Karriere nie an die frühen Erfolge anschließen konnte, wird seine berühmteste Rolle wohl nie los, zeigt aber auch, dass er sich seinen kindlichen Humor bewahrt hat. Um für das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes zu werben, zeigte sich der Schauspieler vor ein paar Monaten bei Instagram mit einer Maske, die ihn in seiner Kultrolle als Achtjähriger zeigt. In jener ikonischen Pose, die jeder kennt: Kevin mit beiden Händen an den Wangen, den Mund weit aufgerissen.

Ikonisch sind längst auch die Brutalitäten, die der kleine Kevin den Einbrechern angedeihen lässt. Manche Theorien besagen gar, „Kevin – Allein zu Haus“ sei der Wegbereiter des modernen Slasherfilms. Einige Fans haben sich mal den Spaß gemacht, zu simulieren, was wirklich passiert wäre bei Kevins Angriffen. Immerhin sind Bügeleisen, Ziegelsteine und Elektroschocks nun wahrlich keine kleinen Kaliber. Doch sie sorgen dafür, dass der Klamauk in Erinnerung bleibt. 

Das Online-Filmmagazin Screen Junkies hat ausgerechnet, dass Harry und Marv in den beiden Filmen insgesamt 23 Tode sterben müssten, wenn sie sich in der realen Welt befänden. Ein Facharzt stand bei der Beurteilung der Szenen beratend zur Seite.

Wie brutal es im Häuserkampf wirklich zugeht – eine kleine Simulation.

Quelle: Youtube

Immerhin: Joe Pesci, der den Ganoven Harry spielt, unternahm einen kleinen Racheakt. Er biss Macaulay Culkin während der Dreharbeiten in den Finger, um seine Rolle möglichst authentisch zu gestalten. Das erzählte der Kevin-Darsteller mal in einer Talkshow. Die Narbe ist heute noch zu sehen.