Berlin - Der Wedding, die Wedding, das Wedding? In jedem Fall in Wedding ist an diesem Freitag der Auftakt für das deutsch-türkische und deutsch-polnische Kunst- und Kulturfestival „Liebes Wedding“. Andere Namen, wie „Wild Wedding“ seien bereits belegt gewesen, erklärt Melisa Karakus, Herausgeberin von renk., den beim ersten Hören etwas schief klingenden Namen.

Das deutsch-türkische Internetmagazin renk. ist zusammen mit der deutsch-polnischen Initiative „Zwischen den Polen“ Organisatorin der an vier Wochenenden stattfindenden Ausstellungen, Lesungen und Partys. „Dank Bundespräsident Gauck kennen wir uns“, sagt Karakus. Dieser nämlich hatte vor mehr als zwei Jahren, im März 2014, nach einem Besuch in dem alternativen Kreuzberger Café Kotti mehrere interkulturelle Initiativen ins Schloss Bellevue eingeladen. „Wir sind uns sofort näher gekommen“, sagt Herausgeberin Karakus, „da wir uns beide als ,fortgeschrittene Migranten’ verstehen.“ Die Vertreter von renk. und „Zwischen den Polen“ sind als Migranten der zweiten Generation in Deutschland angekommen, der Begriff Integration interessiert sie nicht, vielmehr stellen sie sich die Frage, was sie mit ihrem kulturellen Erbe anfangen sollen – was sich auch im Programm von „Liebes Wedding“ ausdrückt.

Thema Liebe

Die Ausstellung in der Montagehalle in der Malplaquetstraße, die am Freitagabend eröffnet und bis zum 21. Oktober Besuchern zugänglich sein wird, hat neben kultureller Herkunft und Zugehörigkeit das Wort Liebe zum Thema. Es zieht sich durch die Fotografien und Bilder von Künstlern wie Slawomir Elsner, Miray Seramet, Deniz Sertkol, Harun Guler, Paul Sochacki, Angelika J. Trojnarski oder Sebastian Bieniek. „Auf Bieniek freue ich mich ganz besonders“, sagt Karakus. Es sei spannend, Einblicke in die Arbeiten der jeweils anderen Szene zu bekommen – „die Deutsch-Türken kennen wir ja schon“.

Tatsächlich bietet „Liebes Wedding“ ein abwechslungsreiches Programm, im Zuge dessen Kreative ihre Arbeiten ausstellen, die vielen Interessierten bisher unbekannt sein dürften. Am 7. Oktober werden im City Kino Wedding sieben Kurzfilme gezeigt, darunter eine Premiere von Harun Guler, „Pehlivan“. In einer anschließenden Podiumsdiskussion mit den Filmemachern, moderiert von der Autorin und Radiostimme Sirin Manolya Sak, geht es um ihre Werke, natürlich wieder die Liebe und das nicht immer leichte Wort Heimat.

Am 15. Oktober lesen die Autoren Matthias Nawrat, Deniz Utlu und Alexandra Tobor in der Bibliothek am Luisenbad aus ihren Roman. Auch hiernach wird diskutiert. Zum Abschluss des Festivals allerdings nicht, zumindest nicht auf einem Podium, stattdessen wird getanzt. „Türken und Polen haben einige Gemeinsamkeiten: Sie sind herzlich und essen und trinken gerne“, sagt Karakus. Am 22. Oktober wird denn auch im Kunstclub Anita Berber angestoßen. Für diese deutsch-türkisch-polnische Hochzeit wurden die DJs Mehmet Aslan, DJ Ipek, Maciej Zambon und Kornelia Bincewicz engagiert. Gefeiert wird bis Wodka und Raki alle sind.

Liebes Wedding Ausstellungseröffnung, Freitag, 30. September, 19 Uhr, Malplaquetstraße 25, Eintritt frei. Weitere Veranstaltungen am 7., 15. und 22. Oktober an verschiedenen Orten in Wedding. Komplettes Programm unter: renk-magazin.de/liebes-wedding