Vladimir Malakhov lächelt freundlich und sagt: „Es geht mir gut“. In einer geringelten Trainingshose aus grobem Strick, einem Designerstück, das der vierundvierzigjährige Intendant und Erste Tänzer des Staatsballetts seit seinem Amtsantritt vor zehn Jahren immer wieder trägt, sitzt er in einem Konferenzraum in der Deutschen Oper. Es ist Oktober 2011. Vladimir Malakhov befindet sich mitten in den Proben zu „Peer Gynt“, einem Ballett von Heinz Spoerli, in dem er die Titelrolle tanzt.

Vladimir Malakhov ist abergläubisch. Er kokettiert gern damit, aber es ist ihm auch ernst. Die Hose liebt er, sie hat ihm Glück gebracht und soll es auch jetzt wieder tun. Aber als er aufsteht, sieht man: Diese Hose hat Löcher und Risse, sie ist kaum mehr zu retten. Und Vladimir Malakhov selbst, dem 2007 bei einer Knie-Operation eine 9,5 Zentimeter lange Sehne verpflanzt wurde und der gerade noch versichert hatte, dass es gut um ihn stehe, kann sich kaum gerade halten und humpelt nach der Verabschiedung, ein Bein nachziehend, aus dem Raum.

Er kann einfach nicht aufhören

Drei Wochen später, im November 2011, wird Malakhov, wie immer, vom Publikum bejubelt. Nur wer nah genug dran sitzt und wer Bescheid weiß, sieht diese merkwürdig angespannte Steifheit im Rücken, ahnt etwas von den Schmerzen, die der Tanzstar haben muss und die er in einer ungeheuren Willensanstrengung unterdrückt. Ob Vladimir Malakhovs Tänzerlaufbahn dem Ende entgegen gehe, fragten Zeitungen bereits und sie fragen es auch wieder nach dieser Premiere. Sie stellen damit die Schicksalsfrage des Staatsballett.

Vladimir Malakhov ist das Gesicht, er ist das Zugpferd der Compagnie, seit er vor zehn Jahren die Geschäfte des Balletts der Staatsoper übernahm. Er kann nicht einfach aufhören. Er ist der Weltstar, der auch als Intendant vor allem eines ist: ein Tänzer. Einer, mit einem glamourösen Namen, der die Zuschauer ins Haus zieht. Neben ihm vermag das nur noch eine, Polina Semionova.

Zu seinem Amtsantritt hat Malakhov die gerade mal Siebzehnjährige direkt von der Moskauer Bolschoi-Ballettschule weg zur Ersten Solistin gemacht. Es war der erste große Coup des neuen Ballettchefs und leider ist es in zehn langen Amtsjahren sein einziger geblieben. Aber es war einer, der fortwährend weiter wirkte. Denn neben Malakhov reifte das Ausnahmetalent Semionova in nur wenigen Jahren zum internationalen Star. Gemeinsam beglückten sie wieder und wieder das Publikum.

Die Journalisten berichten zwar schon seit einigen Jahren zunehmend kritisch über die vielen Fehlentscheidungen und die vielen schlechten Stücke beim Staatsballett. Aber die Compagnie tanzt insgesamt auf hohem Niveau und die Malakhov-Semionova-Magie, sie funktionierte. Bis jetzt.