Bedeutende Kulturprojekte leben  immer auch vom Geist derjenigen, die sie sich ausdenken. So entsprang das Berliner Humboldtforum, das inzwischen einer in viele Richtungen ausufernden staatlichen Parallelaktion gleicht, wie sie Robert Musil in seinem Roman „Der Mann oder Eigenschaften“ beschrieben hat, einer eher flüchtig hingeworfenen Idee  von Klaus-Dieter Lehmann. Der Präsident des Goethe-Instituts war damals noch Chef der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) und wollte mit seinem Vorschlag vor allem die gruselige Vorstellung von weiteren Einkaufszentren für die Wiedererrichtung des Hohenzollernschlosses abwehren. Der Rest der Geschichte ist bekannt, ihr Ausgang weiter offen.

Das „House of Jazz“ war womöglich groß gedacht, aber doch ein paar Nummern kleiner.    Der Jazz-Trompeter Til Brönner strebte an, eine repräsentative Adresse für den Jazz aufzubauen, der im kulturellen Mainstream inzwischen oft ein wenig vernachlässigt wird. Zur Begründung des Standortes Berlin bedurfte es keiner umständlichen Erklärungen. Das Jazz Fest Berlin war eine herausragende Adresse, als die Besten der Branche noch wie Popstars gefeiert wurden. Der passende Ort für Brönners Pflegeanstalt war mit der Alten Münze, einer ehemaligen Münzprägerei  in der Nähe des Roten Rathauses bereits gefunden, und das nötige Kleingeld war  bewilligt. Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hatte generös 12,5 Millionen Euro für   Brönners Konzept freigestellt.

Der Berliner Kultursenator Klaus Lederer aber will es nicht, jedenfalls nicht so. Vermutlich haftet ihm daran zu viel Erbschaftsmuff. Das „House of Jazz“ war  eines jener Projekte, die  Kulturstaatssekretär Tim Renner kurz vor dem Ausscheiden aus seinem Amt noch festgezurrt hat. Man brauche nicht nur Leuchttürme, sagt Lederer nun, man benötige vor allem Arbeits- und Produktionsräume für Musiker der freien Szene. Dem Kultursenator schwebt ein „Haus für die Basiskultur“ vor.  Es soll ein Kreativhaus werden, in dem Jazz eine wichtige Säule neben anderen ist. Konzept? Wird derzeit dran gearbeitet, sagt Lederer. Die schlimmen Worte Basiskultur und Kreativhaus aber lassen erahnen, dass der neue Geist erst noch wehen muss. Das gilt wohl auch für die Gespräche mit dem verschmähten Geldgeber, dem Bund.