Nur menschenleere Säle sind hygienisch.
Foto: Andrey Kuzmin

BerlinDas Berliner Kulturleben kommt nahezu vollständig zum Erliegen. Am Donnerstagnachmittag um 16.11 Uhr erreichte eine Nachricht des Berliner Kultursenators Klaus Lederer die Redaktionen. Sie kam nicht ganz unerwartet, schlug aber doch mit erheblicher Wucht ein. „Die staatlichen Theater, Opern und Konzerthäuser“, teilt der Kultursenator mit, „werden ihren Spielbetrieb vor Publikum ab Freitag, dem 13. März, vorerst bis zum Ende der Osterferien, also bis zum 19. April, vollständig einstellen. Dem werden auch die an der Konsultation beteiligten Privattheater nach Rücksprachen mit den zuständigen Gesundheitsämtern folgen. Dies ist das Ergebnis der Konsultation und Abstimmung mit den Intendantinnen und Intendanten der Einrichtungen. Wir empfehlen auch den übrigen privaten Bühnen, so zu verfahren.“

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In dem großen durch das Coronavirus verursachten Shutdown bleibt es nicht nur bei der Schließung von Theatern und Konzertsälen, in denen zu einem bestimmten Zeitpunkt viele Menschen zusammenkommen. Lederer dehnt die Stillstellung des Kulturbetriebs nun auf weitere Institutionen und Bildungseinrichtungen aus. „Die Landesmuseen, Gedenkstätten und Galerien in Trägerschaft der Kulturverwaltung des Landes Berlin und die Zentral- und Landesbibliothek (ZLB)“ heißt es in der Senatsmitteilung, „werden entweder bereits ab morgen oder jedenfalls ab Sonnabend, dem 14. März, den Besucherverkehr in geschlossenen Räumen, ebenfalls bis vorerst 19. April 2020, einstellen.“

Kleine Trompete

Damit trägt die Berliner Kulturverwaltung nicht zuletzt auch einer zuletzt als wankelmütig wahrgenommenen Reaktion auf die Ausbreitung der inzwischen als Pandemie eingestuften Corona-Epidemie Rechnung. Tatsächlich schien es weitgehend beliebig, eine Grenze bei 500 oder 1000 Besuchern zu ziehen, wo doch die in Berlin bislang größte zahl der Ansteckungen über den eher kleinen Club Trompete verlief. Dort war es während einer Veranstaltung am 29. Februar zu 48 bislang nachgewiesenen Infektionen gekommen.

Lederer begründet seine weitreichende Entscheidung mit dem Versuch, „die Ausbreitung des Virus zu hemmen, das Gesundheitssystem vor massiven Belastungen zu bewahren und insbesondere besonders gefährdete Menschen vor Ansteckung zu bewahren.“

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Berlin macht dicht

Aus ähnlichen Überlegungen war seitens des Berliner Senats am Donnerstag bereits zwei beliebte Berliner Straßenveranstaltungen, der Karneval der Kulturen während der Pfingsttage sowie das Myfest in Kreuzberg zum 1. Mai abgesagt worden. Dabei hatte man sich nicht zuletzt auch deshalb für eine frühe Absage entschieden, weil die umfangreichen organisatorischen Aufgaben einer langen Hängepartie nicht standgehalten hätten.

Berlin macht dicht, dem werden sich ab Sonnabend auch die Einrichtungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz anschließen. Zwar war man dort zunächst geneigt, die Museen  geöffnet zu halten, weil ein Besuch in der Regel einen gebotenen Sicherheitsabstand zulässt. Am frühen Donnerstagabend kam dann aber auch aus der Zentrale der SPK die Kehrtwende. Offensichtlich hat man sich hinter den Kulissen auf ein einheitliches Vorgehen verständigt.

Die weitgehende Stillstellung des Berliner Kulturbetriebs bedeutet keineswegs nur atmosphärische Veränderung in einer Stadt, die nicht zuletzt durch die Attraktivität und Vielfalt von öffentlichen Veranstaltungen belebt worden ist.

Wirtschaftliche Folgen

Kultursenator Klaus Lederer ließ in seiner Mitteilung denn auch die wirtschaftlichen Folgen nicht unerwähnt.   „Für die Beratungen auf Bundesebene zum Umgang mit den volkswirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie“, so Lederer, „betone ich die Erwartung, dass bei krisenbedingten Hilfen für Wirtschaftsakteure gleichermaßen die für das Funktionieren eines demokratischen Gemeinwesens unverzichtbaren Kultureinrichtungen und die vielfach freiberuflich tätigen Kulturschaffenden in den Blick genommen werden müssen.“

Am Dienstag hatte bereits Kulturstaatsministerin Monika Grütters Hilfen für Künstler und Kultureinrichtungen in Aussicht gestellt.