Das Publikum kam in Massen. Doch es gab zu wenig I-Pads mit Materialien und Filmen zu den kostbaren, sonst nur sehr knapp erklärten Modellen und Zeichnungen.

Und so wanderte mancher recht ratlos umher. Es gab hinreißende Bilder von Gruppen, die verzweifelt versuchten, zusammen I-Pads zu nutzen. Offenkundig sind sie nicht geeignet dafür, zumal dann nicht, wenn verschiedene Leute den Ton hören wollen, ohne die Nachbarn zu stören. Wenn computerfetischistische Ausstellungsmacher also nicht sattes Technik-Geld haben, sollten sie auch lieber nicht auf zu großen Publikumserfolg hoffen. Sonst sind die Besucher nämlich enttäuscht, weil sie nicht mitspielen können.

Und mitmachen, das ist doch der Clou moderner Kultur- und Kunstarchitektur. Das wird einem in der Ausstellung mit lauter sozial, kulturell und ökonomisch superoffenen Bibliotheken und Kulturzentren suggeriert. Die hochelitäre Hamburger Elbphilharmonie, bei der der Katalog sehr Architektenfreundlich nur die Anfangssumme des Kostenskandals mitteilt, scheint da eine Ausnahme. Bis auffällt: In diesem Mitmach-Kosmos findet sich auch kein einziges Museum alter Kunst. Keines der Völkerkunde. Der Naturgeschichte. Der Stadtgeschichte.

Tatsächlich herrscht ja in diesen Institutionen in Deutschland – wie bei der Debatte über die Zukunft der Berliner Museumslandschaft deutlich wurde – noch ganz und gar das Selbstbewusstsein vor: Wir wissen, was gut für Euch ist. Längst ist etwa die Kernidee des geplanten Humboldt-Forums, publikumsoffene Depots zu machen, zum Dekor von kuratoriensortierten Ausstellungen degeneriert. Eisern halten die Staatlichen Museen fest am weitab jedes Publikums geplanten Neubau eines Zentraldepots in Friedrichshagen, statt die Universitäts- und U-Bahnnahen, vorhandenen Dahlemer Museumsbauten dafür zu nutzen. Auch in den Konzepten für die neue Neue Gemäldegalerie sehen die Museen kein publikumsoffenes Depot vor, wie es in England oder Kopenhagen selbstverständlich ist.

Das schockierende aber ist: Auch diejenigen, die die Staatlichen Museen wegen ihrer Gemäldegalerie- oder Nationalgalerieplanungen derzeit unter Beschuss nehmen, akzeptieren deren patronisierende Haltung im Grundsatz. Die Vorstellung, dass Museen wie jede Stadtteil-Bibliothek erst einmal Informations- und Bildungszentren und nicht Hüter eines wage-ewig Wahren sind, erscheint Deutschlands Kultur-Hierarchen bisher absurd.