Kunst-Areal „Fahrbereitschaft“ in Lichtenberg: Bezirksamt gestattet Buchpremiere

Ein Jahr lang hat man ihnen geraten: Bloß nicht mehr ärgern, abwarten. Die Situation werde sich ändern. Axel und Barbara Haubrok, Sammler junger Kunst sowie seit 2012 Betreiber und Entwickler des Lichtenberger Gewerbe- und Atelier-Areals „Fahrbereitschaft“ in der Herzbergstraße (dort befand sich bis 1989 die Fahrbereitschaft der DDR-Regierung) haben gewartet, gehofft.

Das Paar hat auf Runde Tische, zuletzt im Lichtenberger Rathaus, gesetzt, nachdem ihm das Büro der SPD-Bezirksstadträtin für Stadtentwicklung, Soziales, Wirtschaft, Arbeit, Birgit Monteiro, strikt Ausstellungsverbot erteilt hatte: Das sei Gewerbegebiet. Es droht eine Strafe von einer halben Million Euro. Die Lokalpolitikerin beruft sich aufs Gesetz, das jedoch Ausnahmen zuließe, denn mit Gentrifizierung hat das Projekt nichts zu tun.

Im Gegenteil: Mehr als 70 Gewerbetreibende und Künstler arbeiten in den Garagen und Hallen zu Niedrigmieten kreativ und partizipierend zusammen.

Dass dazu auch die Haubrock’sche Sammlung von junger Weltkunst passt, lehnt die SPD-Politikerin Monteiro kategorisch ab. Trotz Solidarität der Kulturszene, trotz Zustimmung anderer Lokalpolitiker, des Kultursenators, des Regierenden Bürgermeisters für das Entwicklungs-Projekt des Sammlers. Die Berlin Art Week 2018 fand  daher bedauerlicherweise  ohne die Kunst in der „Fahrbereitschaft“ statt. Und das bevorstehende Gallery Weekend muss abermals ohne die  Ausstellungen in dem beispielhaft entwickelte Kreativ-Quartier stattfinden.

Verlassen sie Berlin?

Nun bringen die Haubroks im Kerber Verlag ein gut 300-seitiges Katalogbuch über die DDR-Geschichte, den Werdegang der „Fahrbereitschaft“ und die Werke ihrer unverwechselbaren Sammlung heraus. Beim Stadtbezirk haben sie für den 26. April die Buchpremiere im einstigen Kasino auf dem Gelände beantragt. Für dieses konkrete  Haus aber, in dem sich auch die einstige Bar der DDR-Fahrbereitschaft befindet,  wurde zunächst keine Genehmigung erteilt. Ratlosigkeit. Also würde man nun dafür eines der gemieteten Künstler-Ateliers wählen müssen?

Am Donnerstag kam aus dem Bezirksamt die Mitteilung, die Buchpremiere sei genehmigt. Klar ist nur nicht, ab nun doch am beantragten Ort, im Kasino. Oder woanders auf dem großen Gelände.

Niemand auf dem Areal, weder die Handwerker noch die Künstler, auch nicht die interessierte Öffentlichkeit kann  nachvollziehen, warum Haubrok auf seinem eigenen Gelände nicht einfach entscheiden und auch seine Berlins Kunstszene garantiert bereichernde Sammlung ausstellen kann. Was ist das für ein verbissener Machtkampf mit fatal persönlichen Zügen? Will Lichtenberg  am Ende riskieren, dass Haubrok das Handtuch wirft, das Areal verkauft und dann die Gewerbemieten steigen?

Was nämlich  seine Kunstsammlung betrifft, ist das Paar längst auf der Suche nach einem anderen Ausstellungsort, weg von der hier herrschenden Ignoranz und der Gier nach Events. Wie dumm aber wäre Berlin, nach Erika Hoffmann und Egidio Marzona, die man mit ihren Kollektionen in Dresden begeistert aufnahm, wieder einen Sammler zu vertreiben.

Buchpremiere 26. April, 12 Uhr,  Herzbergstr. 40/43,  Anmeldung: http://info@haubrok.org