Das Kanzleramt ist, auch wenn man nicht gleich darauf kommt, ein Ausstellungsort für Kunst. Die Politik leistet sich am Ende jeder Kanzlerschaft die Vergabe einer Auftragsarbeit an einen zeitgenössischen Künstler. In der Ahnengalerie der Bundeskanzler spiegeln sich individueller Geschmack und Zeitgeist gleichermaßen. Helmut Schmidt ließ sich vom DDR-Maler Bernd Heisig malen, er entschied sich dafür noch während der deutschen Teilung. Helmut Kohl wurde vom Heisig-Schüler Albrecht Gehse gemalt, Gerhard Schröders Wahl fiel auf Jörg Immendorf. Angela Merkels Entscheidung steht noch aus.

Nach den Gemälden von Emil Nolde ist Zeit für einen Wechsel im Kanzleramt

Ein gravierendes Kunstproblem hat sie trotzdem. Zwei Gemälde Emil Noldes, die bis vor kurzem in ihrem Arbeitszimmer hingen, sollen, nachdem das Gemälde „Brecher“ als Leihgabe in der am Wochenende im Hamburger Bahnhof eröffnenden Ausstellung „Emil Nolde – Eine deutsche Legende. Der Künstler im Nationalsozialismus“ zu sehen sein wird, ebensowenig ins Kanzleramt zurückkehren wie Noldes „Blumengarten (Thersens Haus)“. Die Legende, dass Nolde sich von den Nazis abgewandt habe, lässt sich nicht aufrechterhalten. Tatsächlich hat sich Nolde den Nazis angebiedert. Zeit also für einen Bilderwechsel im Kanzleramt.

Die Suche nach Kunstwerken für das Kanzleramt geht weiter

Um die Wände wieder zu füllen, war ein Bild des Expressionisten Karl Schmidt-Rottluff ins Spiel gebracht worden. Nun hat Merkel auch davon Abstand genommen, nachdem antisemitische Zitate Schmidt-Rottluffs bekannt geworden waren. Die Kunsthistorikerin Aya Soika hat eindeutige Belege gefunden. Demnach nannte Schmidt-Rottluff die Briten während des Ersten Weltkriegs ein „Volk, das vollkommen durch die Juden verseucht ist“. Inzwischen will die Kanzlerin gar kein Bild aus der Stiftung Preußischer Kulturbesitz mehr leihen. Die weitere Suche wird wohl trotzdem nicht ohne kunsthistorische Expertise stattfinden.