Die drei Frühlingsmonate laden ihren jeweiligen achten Tag mit politischen Bedeutungen auf. Seit 1911 ist der 8. März internationaler Tag der Frauen, an dem weltweit auf Frauenrechte und die Gleichstellung der Geschlechter aufmerksam gemacht wird. Der 8. Mai wird als denkwürdiger Tag der Befreiung von Hitlerfaschismus und Krieg durch den Einmarsch der Roten Armee in Berlin und im deutschen Osten begangen. Und dazwischen ist der 8. April – seit 50 Jahren der Tag, an dem Roma und Sinti auf ihre Existenz, auf ihre prekäre Lage seit Jahrhunderten mit Diskriminierung, Unterdrückung, Verfolgung und Vernichtung unter den Nazis aufmerksam machen und Gleichberechtigung einfordern.

Roma und Sinti, die noch bis über das Jahrhundertende als „Zigeuner“ Herabwürdigung und Ausgrenzung ertragen mussten, was derzeit in Ungarn, Rumänien und Bulgarien oft wieder krasser Alltag ist, leben seit Jahrhunderten in Europa, bildeten historisch gewachsene Minderheiten. Ihre Geschichte, ihr Schicksal wurden immer von den politischen Entwicklungen in Gesamteuropa geprägt. Roma und Sinti besaßen nie einen eigenen Staat oder eine eigene Regierung, die sich für sie einsetzte.

Foto: Roma-Biennale
Zeltprotest vor der Britischen Botschaft Berlin, Foto-Plakat von Delaine Le Bas. 

50 Sinti- und Roma-Künstler starten nun am heutigen 8. April in Berlin ihre zweite Biennale „We are here!“, bildhaft an Tafeln, Säulen, Zäunen, in Schaufenstern quer durch die Stadt. Die Kunstplakate sind zum Mitnehmen in Buchläden, Cafés, Community-Läden und Galerien, aber auch weltweit online zum Anschauen und Herunterladen verfügbar. Neben der Plakatgalerie bietet die Website roma-biennale.com weitere Kunstwerke an, darunter zahlreiche Videos.

Ausgangspunkt einer Emanzipationsbewegung

Bis zum 24. Oktober erzählen die Plakate auch von den zahllosen Aktionen seit fünf Jahrzehnten. Biennale-Gast ist ein Veteran der Bewegung, der Londoner Aktivist Grattan Puxon. Am 8. April 1971 war er der Initiator des Ersten Welt-Roma-Kongresses, Ausgangspunkt einer Emanzipationsbewegung, die dem jahrhundertelangen Rassismus und Antiziganismus eine zunehmend selbstbewusste Identität entgegensetzte.

Foto: Roma-Biennale
Plakat von Gabi Jimenez und Damian Le Bas.

Und es wird heute zu einem stillen Gedenken kommen: Am Sinti-und-Roma-Denkmal im Tiergarten. Geschaffen hat es der israelische Künstler Dani Karavan, zur Erinnerung an die 500.000 von den Nazis ermordeten Männer, Frauen und Kinder.

Die Roma-Biennale ist ein Projekt von Roma Trial e. V. in Zusammenarbeit mit der Allianz Kulturstiftung, gefördert durch die Lotto-Stiftung Berlin. Das gesamte Programm wird vom Maxim Gorki Theater am 8. April ab 10 Uhr auf der Website romanistan.com ausgestrahlt.