Trau keinem über Hundert, lautete in den Neunzigern ein Abwehrsatz der Jugend gegen das Konventionelle. Dass Beuys’ unkonventionell erweiterter Kunstbegriff heute gerade jungen Leuten gefällt, gibt zu denken. Der 100. Geburtstag des Künstlers war schon am 12. Mai, seither gibt es in vielen großen Museen einen Reigen an Hommagen, Reflexionen und kritischen Debatten  zum so missionarischen wie eigentümlichen, enigmatischen, daher missverständlichen Lebenswerk von Joseph Beuys (1921–1986).

Eigentlich, so schien es, ist nun erstmal wieder alles geschrieben und gesagt über den Charismatiker mit Filzhut, der die „soziale Plastik“ propagierte und behauptete, jeder Mensch sei ein Künstler, womit er die Kräfte des Kreativen meinte, nicht artifizielle Profession. Und doch findet sich immer wieder ein weiterer, zustimmender oder auch skeptischer Ansatz in dieser Kunst aus Filz, Fett, Honig, Eisen, Stein, Bäumen und Batterien, den seltsamen Aktionen mit lebenden und toten Tieren, in den kruden politischen Happenings und den kryptischen Zeichnungen, wie dem  Zyklus „The secret block for a secret person in Ireland“ aus der Sammlung Marx und den archaischen Körper-Chiffren und anthroposophischen Zeichen auf Packpapier.

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