Es kann laut werden und bunt, aber auf jeden Fall eindringlich. Die Fraueninitiative faire share feiert am Freitag, den 23. Juli, von 15 bis 18 Uhr im Kolonnadenhof der Museumsinsel den 300. Geburtstag der Rokokomalerin Anna Dorothea Therbusch (1721–1782), mitunter auch Thaerbusch geschrieben.  Zu ihrer Zeit war die Berlinerin – verheiratet und  Mutter von fünf Kindern – eine Ausnahmeerscheinung in Preußen, genauso wie die Barockmalerin Artemisia Gentileschi in Rom lange davor. Oder wie die 20 Jahre jüngere schweizerisch-österreichische Klassizistin Angelika Kauffmann.

Angesehene Maler waren bis in die Moderne hinein fast nur Männer. An Staatlichen Kunstschulen durften Frauen in Deutschland erst 1919 studieren, zuvor blieb ihnen nur der Privatlehrer. Bei Therbusch war es der Vater. Etwa 250 ihrer Gemälde sind heute bekannt, Porträts von hoher Qualität, am stärksten der schonungslose Realismus ihrer späten Selbstbildnisse. Sie malte auch Friedrich II. und Zarin Katharina die Große. Immerhin schafft sie es, 1767 an der Pariser Académie Royale aufgenommen zu werden.

Seit 2020 hängt ein Bild in der Alten Nationalgalerie, ein weiteres in der Gemäldegalerie am Kulturforum. Ende des Jahres soll es zumindest eine kleine Kabinettschau geben. Ansonsten ist Therbusch fast vergessen, viele Bilder liegen in den Depots deutscher Museen, nirgends eine Retrospektive. Damit ist ihr Schicksal mit dem vieler Frauen der Kunst verbunden: kaum erforscht und ausgestellt. Die Künstlerinnenaktion am Freitag, dem 300. Geburtstag, will also sagen: Der Umgang mit weiblichen Kunstschaffenden lässt sich erheblich verbessern.

Die Inselgalerie der Xanthippe e.V., Petersburger Str. 76A, gedenkt vom 25. Juli bis 1. August mit einer Fenster-Ausstellung und Veranstaltungen der Malerin, Tel.: 28 42 70 50.