Venedig - Wie wir bald acht Milliarden Primaten der Art Homo sapiens sapiens in einiger Zukunft halbwegs gedeihlich zusammen leben werden mit den vielen anderen Tieren, Pflanzen und Geschöpfen dieser Erde, das ist das große Thema der diesjährigen Architekturbiennale in Venedig. Sie sollte schon im vergangenen Jahr gezeigt werden, Covid-19 erzwang die Verschiebung, und jetzt ist es eine überaus seltsame Veranstaltung. Statt Hunderter von Journalisten und Journalistinnen sowie sonstig von der Biennale für ihre Werbung als wichtig erachteten Menschen, die sich zwischen den eng gestellten Pavillons in den Giardini drängen, im Pulk durch die Ausstellungen schieben, verlieren sich dieses Jahr einige wenige Berichterstatter, halten Abstand, tragen die in Italien auch an der herrlich frisch von den Alpen wehenden Luft vorgeschriebenen Masken. 

Der Chefkurator Hashim Sarkis hat eine überaus politische Veranstaltung geplant, sie prägt vor allem die Haupthallen in den Giardini; wir werden darauf zurückkommen, dieses Projekt braucht mehr Zeit zum Betrachten als die Nationalpavillons. Dass Architektur und Planung für die Zukunft des Menschen zentral sind, ist ihr Thema, und dazu gehört eben nicht nur Umweltgerechtigkeit, sondern auch soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit, gehören das Wohnen, das Wandern und Fliehen, die Landwirtschaft. Israel etwa zeigt in seinem Pavillon, wie man die Erzählung der Geschichte und Selbstkritik miteinander verbinden kann; hier wird der Agrarmythos des Kibbuz-Landes und die Verheißung von Milch und Honig überblendet mit der Vertreibung und Enteignung der Palästinenser und der umstandslosen Ausbeutung der Natur. Dabei zeigt der dänische Pavillon eindrücklich, indem er das spärliche Regenwasser Venedigs auffangen und damit eine ganze Kräuterfarm in den Wänden bewirtschaften will, dass der Mensch ohne Rücksicht auf die Natur nicht existieren kann.

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