Die Vorstellung, dass in kaum fünf Wochen Tausende Architekturbegeisterte nach Venedig fahren, um sich die verschobene Architekturbiennale 2020 anzusehen, ist schlichtweg surreal. In Italien herrscht Covid-19-Notstand. Trotzdem soll sie stattfinden, wie der Chefkurator Hashim Sarkis am Montag bei einer Online-Presseveranstaltung bekannt gab. Und zwar thematisch im Wesentlichen genauso, wie vor einem Jahr geplant. So als ob es die Pandemie nicht gäbe. Sein Motto „Wie werden wir zusammen leben?“, so Sarkis, sei schließlich auch weiter gültig. Stimmt. Und wer wollte bezweifeln, dass der Klimawandel und die Wanderung von Millionen von Menschen uns auch weit über Covid-19 hinaus beschäftigen werden, dass der Klang zentral ist für das Erlebnis von Raum und der Tanz, uns Raum anders, neuartig erfahrbar machen kann?

Die wohl wichtigste Veränderung, und sie ist rundum zu begrüßen, ist, dass viele Ausstellungen in den Länder-Pavillons und auch der bisher als Staatsgeheimnis behandelte Aufbau der von Sarkis kuratierten Hauptausstellung nicht nur physisch, sondern auch online zu sehen sein werden. Nur die Venezianer werden klagen: Architekturtourismus bringt nämlich viel Geld in die Stadt, weil die Besucher mindestens zwei oder drei Tage brauchen, um die Veranstaltungen zu erleben. Warum soll sich die Stadt also eine teure Ausstellung leisten, von der sie nichts hat? Und schnell werden sich gerade ärmere Länder fragen: Warum sollen wir alle zwei Jahre die teuren Ausstellungen finanzieren, wenn ein Film genügt?

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