Was, wenn Oma stirbt? Diese Frage stelle ich mir schon eine Weile. Meine Großmutter ist 86 Jahre alt, dement und kann nicht mehr ohne fremde Hilfe laufen. Sie ist so dünn und schwach, dass die Pflegerin im Altenheim sie immer in eine dicke weiße Wolldecke packt, bevor sie sie in einen Rollstuhl setzt. Sie sei so besser gepolstert, der Stuhl tue ihr dann nicht mehr weh, sagte sie bei meinem letzten Besuch.

Seit der Ausbreitung von Covid-19 braucht Oma aber nicht nur eine Decke, um geschützt zu sein, sondern auch einen Mundschutz, Abstand zu anderen Menschen und eine Impfung. Und sie ist natürlich nicht allein damit. Doch so richtig klar wird mir das erst, als ich eines Abends im Internet auf das „Archiv der lebenden Toten“ stoße. Ein Projekt von dem Leipziger Künstler Alexander Bauer und den Dresdner Theatermachern Romy Weyrauch und Michael McCrae. Auf einer Webseite haben sie eindrückliche Videobotschaften von Menschen gesammelt, die derzeit als Risikogruppe gelten und die wir in Zeiten der Pandemie schnell vergessen – und im schlimmsten Fall verlieren könnten.

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