Dresden - Dresdens Kunstliebhaber sind auf Entzug. Keine Lockerungen in Sicht für die üppigen Kunstschätze der Stadt, nichts mit „Öffnungsorgien“ (O-Ton Bundeskanzlerin). Die Corona-Inzidenzen sind zu hoch. Aus lauter Melancholie, aber mit kreativem Humor haben die Staatlichen Kunstsammlungen nun ein schönes – kostenloses – und zweimal im Jahr erscheinendes Magazin namens „August“ herausgebracht, das seine Leser fragt: „Bis Du einsam?“ Und dann verspricht: „Wir lassen Dich nicht allein.“

Der legendäre Sachsenkönig August der Starke, Begründer all der Weltkunst-Sammlungen, ist Namenspatron des Magazins unter der Federführung des Journalisten Holger Liebs. Trost und Erbauung gegen die Pandemie-Isolation gibt es auf vielen unterhaltsamen Seiten in Deutsch und Englisch. Ein wenig Ersatz für die geschlossenen Schatzhäuser mit alter und neuer Kunst mit den vielen liebevoll aufgebauten, aber verlassenen Sonderausstellungen – so „1 Million Rosen für Angela Davis“. Auch für „Still Alive“ im Albertinum, die Schenkung der Sammlung Hoffmann. Dieses kostbares Konvolut an Kunst der Spätmoderne hatte Berlins Nationalgalerie übrigens verschmäht.

August versammelt in seiner Erstausgabe Beiträge von Kulturschaffenden über Fluch und Segen des Alleinseins im schier endlosen Lockdown. So haben sich die Dichterin Nora Gomringer, der Publizist Florian Illies, die Künstlerin Raphaela Vogel und der Schauspieler Axel Milberg jeweils Kunstwerke ausgesucht und dazu ganz persönliche Betrachtungen geschrieben.

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So allein: Vermeers „Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster“, 1659, eine Ikone der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister.

Und es gibt bilderreiche Ausblicke auf bevorstehende Ausstellungen ab Sommer. Da wäre der 100. Beuys-Geburtstag, der im Kupferstichkabinett Thema ist. Unlängst gaben die Dresdner Kunstsammlungen ihre Romantiker-Gemälde nach Moskau, in die Tretjakow-Galerie. Im Oktober kommt die Schau „Träume von Freiheit – Romantik in Russland und Deutschland“ dann retour ins Albertinum. Dann kann sich wohl jeder angesichts der Gemälde selbst eine Antwort darauf geben, ob große Maler der Einsamkeit wie Caspar David Friedrich, Carl Gustav Carus oder der Russe Ilja Repin wohl eher am Morgen, im Mittagslicht oder in der Abenddämmerung glücklich waren.

Und zuvor wird die Einsamkeit geradezu zu einem Mal-Kult. Denn da trifft im September in der Gemäldegalerie Alte Meister Edward Hoppers „Morning Sun“ aus dem Jahr 1952 – aus dem Columbus Museum of Art, Ohio – auf eine Ikone der Dresdner Sammlung: Vermeers „Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster“, um 1659. Welch ein Einblick in innere Welten.

Infos/Bestellungen unter www.skd.museum