Im Jahr vor dem Fall der Mauer malte Walter Libuda das große Ölbild „Die Schleuse“. Es gehört der Neuen Nationalgalerie – eine bühnenartige, expressionistische und zugleich trancehafte Szenerie in einem wie zusammengesteckten Bildaufbau: Auf der Tafel ein fleckenhaft vibrierendes Bildgeschehen, ein Figurengemenge von Grenzwächtern und Fliehenden in einem Tunnel, der zugleich eine Bootsform hat. Alles überzogen von Schlaglichtern.

Der Maler fand so eine Metapher für die damalige Fluchtbewegung aus der DDR Richtung Westen, ein zerrbildhaftes Gleichnis für die Situation und auch für die eigene Ohnmacht. Das Motiv lässt auf ein großes Vorbild schließen – auf den aus Leipzig stammenden Max Beckmann. Und ebenso muss auch die Malerei der westlichen Nachkriegs-Expressionisten der Cobra-Gruppe um Asger Jorn und Karel Appelt starke Inspiration gewesen sein für den einstigen Meisterschüler des „Alten Wilden“ Bernhard Heisig an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. Später hat Libuda dort selber gelehrt. Und noch später zog der 1950 in Zechau-Leesen im Altenburger Land Geborene nach Schildow bei Berlin.

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