Seit vierzig Jahren sammelt Axel Haubrok junge Kunst. Keine, die sich Bürger übers Sofa hängen würden, sondern sperrige Interventionen in unserem konsumverwöhnten Alltag. Nun wird der engagierte Sammler 70 Jahre alt. Und er feiert das – wie auch anders? – mit Kunst, die sich seit vierzig Jahren angesammelt hat und zu der immer wieder Neues hinzukam, denn aufgehört mit seiner Passion hat der gebürtige Westfale nie. 2008 war er mit Sack und Pack aus Düsseldorf nach Berlin gezogen, brachte  Museen füllende Werkblöcke deutscher und internationaler Konzept-Kunst  mit. Das Besondere der Sammlung sind schwierig zu präsentierende Arbeiten, etwa von Künstlern der Venedig-Biennale, zum Beispiel die unbequemen Exkurse in deutsche NS-Geschichte des Bildhauers Gregor Schneider (Haus Ur) oder die immateriellen, poetischen, hochpolitischen Performances von Tino Sehgal.

Zunächst begannen die Haubroks mit magnetischen Ausstellungen im einstigen Haus des Kindes am Strausberger Platz. 2013 kauften sie in Lichtenberg das verödete Garagen- und Werkstatt-Areal der einstigen „Fahrbereitschaft“ der DDR-Regierung, erforschten die Geschichte des Ortes für ein Buch und entwickelten ihn zu einem Werkstatt-Standort für Künstler und Gewerbetreibende, vor allem Handwerker. Öfter gab es am östlichen Stadtrand, fernab der Museen und Galerien, eintrittsfreie, inspirierende Ausstellungen der Sammlung und der auf dem Garagen-Hof tätigen Künstler. Zuerst wurde dieses Engagement weithin begrüßt, war es doch auch eine willkommene kulturelle Belebung des Bezirks. Doch dann wäre Haubrok vor lauter Gentrifizierungsängsten beinahe vertrieben worden. Die damalige SPD-Stadträtin Birgit Monteiro belegte den Sammler mit Ausstellungsverbot unter Androhung einer Strafe von einer halben Million Euro. Das sei auf einem Gewerbeareal, auch wenn es Privateigentum ist, so der Verbotsgrund, nicht erlaubt.

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